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by • 08/01/2008 • Uncategorized • Comments (2)23

8 Fragen, 8 Antworten: Siems Luckwaldt von ´how to spend it´

Der mitteleuropäischen Gesellschaft Stil zu vermitteln ist oft ein Kampf gegen Windmühlen.

Siems Luckwaldt versucht es trotzdem. 10 mal jährlich als Fashion & Beauty Director in der Financial Times Deutschland Luxus-Beilage how to spend it und Autor des Mode-Blogs der FTD Nahtlos!. STYLEKINGDOM stellte 8 Fragen und bekam 8 (sehr ausführliche) Antworten. Jetzt wissen wir warum overdressed besser als underdressed ist und wir uns nicht im Dunkeln anziehen sollten.

Spitzt Eure Bleistifte und schreibt mit!

Besser under- oder overdressed?

Klare Sache: overdressed! Lieber im Valentino-Smoking in den Supermarkt, als in Ballonseide und schrabbeligen Sneakers auf den Opernball. Nein, auch Du nicht, P. Puffy Daddy Diddy Sean Combs. Und wenn man unabsichtlich über Ziel hinausschoss, dann mit stolz geschwellter Brust und betont selbstbewusster Attitüde (er-)tragen. Underdressed ist schwieriger durchzustehen, es sei denn, man(n) sieht aus wie Marcus Schenkenberg. Die Strahlkraft solch attraktiver Menschen entstellt wirklich NICHTS! Das muss man einfach mal ganz neidlos anerkennen.

Im Moment das it-item Deiner Garderobe

Meine gerade in London erstandene, neckisch bestickte Punk-Jeans von Desigual. Mein Kaschmirmantel von Holland Esquire (tolle Menswear-Marke mit leicht morbidem Charme!)mit niedlichen Metalltotenköpfen als Ärmelknöpfe. Mein Knitterschal von Bally und meine YSL-Tasche aus robustem Canvas, die man kleinknautschen kann und in der man alles ewig sucht :-)

Deine persönliche Designer-Entdeckung für 2008

Eine Entdeckung ist er nicht mehr, aber wie Dirk Schönberger seinen Job bei Joop! Anpackt, das gefällt mir ziemlich gut. Außerdem wird man sicherlich noch mehr von Roksanda Illic hören, jetzt, wo sie in London erneut einen Preis bekommen hat. Ich hoffe, sie kann durch die Arbeit bei einem großen Label endlich durchstarten. Überhaupt tut sich in England derzeit so einiges, während in Italien so langsam ein groß angelegter Generationswechsel bevorsteht. Da stehen einige junge Leute in den Startlöchern, aber die Altvorderen wollen einfach noch nicht abtreten. Tja, und wann ein Deutscher/eine Deutsche den internationalen Durchbruch schafft, steht immer noch in den Sternen. Ich hoffe jedenfalls auf die Weiterführung und den stetigen Ausbau der Mercedes Benz Berlin Fashion Week, weil nur so und mit global agierenden Sponsoren Mode aus Deutschland die nötige (und verdiente) Aufmerksamkeit bekommt.

P.S. Habe gerade gestern durch die neue Wunderkind-Kollektion geblättert und war regelrecht verzückt. Wer hätte gedacht, dass Wolfgang Joop (und Team) noch einmal so frisch und kreativ durchstartet und im Ausland ausgiebigst gelobhudelt wird? Respekt!

Absolutes Fashion no-go a) bei Männern und b) bei Frauen

Immer schwieriger zu benennen, weil heute doch so viel mehr geht, was früher „bäh“ gewesen wäre. Grundsätzlich gilt es für beide Geschlechter, sich bei der Bekleidungsauswahl am tatsächlichen und nicht am Wunschgewicht zu orientieren. Ist hart, ich weiß, schützt aber schon mal vor den schlimmsten Outfitsünden. Für Männer: Schlecht sitzende Anzüge, Flip-Flops (außer am weißen Sandstrand von Parrot Cay, und auch nur mit Marzipanfüßen!), Krawatten mit Seidenmalerei, Doc Martens (es sei denn, man ist Jünger einer Gothic-Ästhetik und höchstens 25 Jahr jung) – und alles, was die Botschaft vermittelt „Ich zieh’ mich im Dunkeln an“. Im Zweifel ist mir persönlich ein leicht schiefer Akzent lieber als gar kein Profil, als ein grau-blau-graues Einerlei. Heute muss man schließlich immer mehr fachlich wie optisch überzeugen! Und dann sollte nicht nur die Powerpoint-Präsentation eine klare Aussage haben, sondern auch der Stil des Präsentierenden.
Ich gestehe gern, dass ich noch immer – vermutlich als letzter Modemensch Deutschlands – ein Fan von Motto-T-Shirts bin. Wählerischer als “sexy”, “Prosecco baute diesen Körper” oder “Don’t touch” bin ich dann aber doch. Bei Shirts wie “I’m the father of Anna Nicole’s baby” kann ich einfach nicht widerstehen. Man darf seine infantile Seite auch nicht zu sehr gängeln …

Zu den Damen: Die dürfen ja tendenziell alles – wenn sie meine vorherige Einschränkung beachten. Außer Po-Geweihe tragen! Vor einem Jahr hätte ich beispielsweise schwarze Glanzlegging gesagt. Doch nach dem 80er-Revival gehen die ja auch wieder, etwa zum weiten langen quer gestreiften Pulli in schrillen Säurefarben. Gut, nicht ins Büro, aber verboten ist’s nicht mehr. Prinzipiell gefällt mir auch an weiblicher Garderobe, wenn man die sichere Hand dahinter sieht. Sichtbare Proportionen, Mut zu dezentem Sexappeal, Geschick bei Farben. Hört sich an, als würde das ohne persönlichen Stylisten nicht gehen, ist aber eigentlich bloß das wa man „ein Auge haben“ nennt. Outfits, die wie ein Sack hängen und vielleicht auch noch Marineblau oder Olivgrün sind, ohne auflockernde Details und sichtbaren Schnitt – die Hölle! Auch nicht jederfraus Sache: Das reichlich überkanditelte Modell „Kunstlehrerin“, also schwarzer langer Wollrock, gern mit passendem Kniekehlenpullover, darüber mehr Ethno-Ketten, als Mr. T damals trug, bizarres Ohrgehänge aus Afrika, vielleicht ein Tuch durchs (meist schon ergraute Haar) und ordentlich dunkelroten Lippenstift. Dazu das perlenbestickte Handtäschchen in Bonbonfarben, das das indische Patenkind zu Weihnachten geschickt hat…

Was mir besonders auf- und missfällt ist ein um sich greifender „Mut“ zur Nuttigkeit, gerade bei Teenagern. Da quellen einem schon morgens in der S-Bahn üppige Brüste entgegen, da wird der Stonewashed-Mikro auch dann getragen, wenn darüber die Speckrollen wabern, dazu Make-up, wie man es wohl nicht mal zu Festtagen in Kasachstan trägt. Das finde ich viel schockierender, als eine kleine, vielleicht untersetze Frau, die eben keine Ballerinas tragen sollte, um sich noch zusätzlich zu stauchen.

Was hältst Du von den neuen Schlagworten der Modeindustrie “Nachhaltigkeit” und “Bio-Baumwolle”. Langfristiger Trend oder kurzes Strohfeuer?

Oh, ein Strohfeuer ist das sicherlich nicht. Die Bio-Nachhaltigkeits-Organic-Fairtrade-Bewegung zieht sich ja längst durch viele unserer Lebensbereiche. Mit den Lebensmitteln fing es an, mit der Kosmetik ging es weiter und Wohnen & Einrichten stehen neben der Mode als nächstes auf dem „Schlachtplan“. In Hollywood gibt jeder Star, der sich modern und um den Planeten besorgt inszenieren will seit Monaten Folgendes zu Protokoll: „ICH fahre ein Elektroauto, habe sieben Kinder adoptiert UND war mit Bono beim Life Aid“. Der Markt wird sich aber auch hier in zwei Lager spalten: jene, denen wichtig ist, wo herkommt und wie verarbeitete wurde, was sie tragen. Und dafür auch bereit und in der Lage sind einen höheren Preis zu zahlen. Demgegenüber stehen die, die entweder nicht willens sind, für eine Kinderjeans mehr als 2,90 Euro auszugeben oder sich finanziell gar nicht mehr leisten können. Und ob die Jeans dann Quecksilberrückstände von Baumwollpestiziden hat oder Fünfjährige sie genäht haben, wird für diese Gruppe nebensächlich. Die größte Herausforderung ist aber wie damals beim Biogemüse die Zertifizierung! Hier braucht es Siegel, die weltweit gelten und überall den gleichen ökologisch wie human hohen Standard der Herstellung garantieren. Denn wer sich bloß auf die Zusagen eines Unterhändlers verlässt (s. Gammelfleisch) ist schlecht beraten und verspielt das Vertrauen der consumer.

Hinten im Schrank: Dein größter Fehlkauf

Ein weißer Anzug von Boss. Was aber überhaupt nicht am Anzug liegt, sondern daran, dass ich ihn etwas zu optimistisch und knapp gekauft habe und nun dabei bin, mich hineinzuhungern (s. Fashion no-gos …). Ansonsten habe ich momentan keine textilen Karteileichen, kann mich aber auch gut von Altlasten oder Fehlkäufen trennen und bewahre die nicht bis in alle Ewigkeit auf.

Berlin oder London?

Beides. Plus New York und Barcelona. Warum? Hinfahren, selbst rausfinden. Nächste Frage …

Im Moment auf Heavy Rotation im iPod?

Ich habe immer eine Tonne Musik drauf und schalte meist auf Zufallswiedergabe. Zuletzt habe ich mir „East of Angel Town“ von Peter Cincotti, „This delicate thing we’ve made“ von Darren Hayes (grandioses Konzeptdoppelalbum!), „I’m not waiting“ von Julia Murney (Anspieltipp: „Raise the roof“) und sechs Tracks von Tanja Ries’ lyrischem Wunschbrunnen „Metanoia“ zugelegt.

Siems Luckwaldt, 30, ist Fashion & Beauty Director von how to spend it, dem Luxusmagazin der Financial Times Deutschland und Autor des Blogs Nahtlos!. Er lebt und arbeitet in Hamburg.

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2 Responses to 8 Fragen, 8 Antworten: Siems Luckwaldt von ´how to spend it´

  1. tanja ries says:

    … das freut mich ja sehr, meine Songs auf Ihrem iPod zu wissen :-), und ab nächster Woche sollte denn auch meine neue CD “liebe mich” bei itunes zu erstehen sein. :-)
    mit dne besten grüßen. tanja.

  2. […] Stylekingdom.com – Fashion, Lifestyle und Gossip » Blog Archive » 8 Fragen, 8 Antworten: Siems Luc… stylekingdom.com/blog/2008/01/08/8-fragen-8-antworten-siems-luckwaldt-von-%C2%B4how-to-spend-it%C2%B4 – view page – cached Der mitteleuropäischen Gesellschaft Stil zu vermitteln ist oft ein Kampf gegen Windmühlen. […]

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