Corporate 2.0: Die Unfähigkeit zur Interaktion

Wenn es sich um die Blogs von ChefredakteurInnen diverser Magazine handelt, kann man im Bereich “Interaktion mit Usern” Funkstille erwarten. Ich weiß nicht was diese Damen und Herren genau dazu antreibt einen Blog zu starten, aber schlagen wir einmal folgende Szenario vor: Redaktionssitzung.
Letzter Tagesordnungspunkt. Kollege H zu Kollege M: “Da wär´ ja noch die Sache mit dem Blog. Also das machen jetzt alle. Wir haben das noch nicht. Hab schon mit dem Webdesigner g´redt, der richtet das ein und dann hast ein Passwort und brauchst einfach nur Artikeln reinstellen.”

Anders kann es nicht gehen, denn die Ergebnisse sehen so aus. Und wenn es um den klassischen Journalisten geht, der mit der Einkanal-Kommunikation (Er schreibt, Leser empfängt) sein ganzes Leben lang gefahren ist und mit dieser Motivation einen Blog betreibt, hat er/sie genau NICHTS verstanden, worum es beim Bloggen geht. Nämlich um die Kommunikation auf einer Ebene mit der Leserschaft.
Huch! Da schreibt doch glatt wer ein Kommentar. Was tun?
Nichts tun sie. Man meint mit einem Haufen Robotern zu tun zu haben. Daraus entwickelt sich der simple Eindruck der Arroganz.

Es gibt genug Negativbeispiele von Verlage, die ihre RedakteurInnen zu Hinundwieder-Bloggern gemacht haben, die keinen Schimmer davon haben, da muss ich hier keine nennen. Wenn der Gehaltszettel als Motivation lockt und kein Interesse an aktiver Teilnahme am Web 2.0 besteht, dann kann der Schuss nur voll nach hinten losgehen.
Dass das Internet Print nicht eins zu eins übernehmen soll und kann und vor allem einer Profilierung bedarf… an dieser Erkenntnis sind sie bis jetzt vorbeigalloppiert. Vogelstraußtaktik fahren und wenn jemand anmerkt, dass die Werbeindustrie gerade am Anfang ist die Internetcommunity zu entdecken und Etats dafür bereitstellt, herablassend werden und die Qualität infrage stellen.

Und das Gegenteil davon?
Firmen, die einen Marketingmenschen dazu abstellen. Der hat nur die Aufgabe in anderen Blogs Interesse zu heucheln und seinen Link zu hinterlassen, Presseaussendungen copypasten und dem Unternehmen online einen Heiligenschein zu verpassen.
Eines der wohl schlimmsten Beispiele: die”Coty Prestige Lancaster Group” beauftragte die Werbeagentur d.k.d. damit eine obskure Kampagne im Internet zu starten, die Online-Identitäten fälschte. (Artikel auf e-recht24)

No, thanks! Bis jetzt rennt Corporate Blogging noch zu oft am Ziel und Sinn vorbei. Natürlich gibt es positive Ausnahmen. Keine Frage.

0 thoughts on “Corporate 2.0: Die Unfähigkeit zur Interaktion

  1. Ich sitze hier vor Deinem Text, grinse von einem Ohr zum anderen und nicke ganz kräftig dazu. Ich erlebe gerade wieder live so einen Blogstart. Wobei die Leute immer wieder den Arbeitsaufwand massiv unterschätzen. Denn selbstverständlich wollen die Unternehmen, die Blogs starten, keinen Redakteur fürs Kommentieren bezahlen.

  2. Pingback: Stylekingdom.com - Fashion, Lifestyle und Gossip » Blog Archive » …weil mir mein rudimentärer Kragen platzt.

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