Es ist spät. 2 Minuten vor Donnerstag und ich muss doch noch die frische Erinnerung zurechtklopfen. Häppchenweise. Zusammen mit Michi (Danke für´s Organisieren!), Zad, Teresa, Vanessa machten wir es uns mit Pizza vor dem Beamer gemütlich, während der erste Wintersturm um die Häuser pfiff. Leider war Julia nicht dabei: Gute Besserung!
Eines gleich vorweg: Ich habe einen sehr subjektiven Maßstab, was die Schrecklichkeit von Menschen anlangt. Dieser Maßstab ist meine Handarbeitslehrerin aus der Volksschule, die ein pädagogischer und humanitärer Supergau sondergleichen war/ist. Ich möchte nicht Diktatoren der Menschheitsgeschichte aufzählen, um sie zu vergleichen, aber sie hätte diese auch zum Heulen gebracht. Und Anna Wintour sicher auch.
Was in dieser einen Stunde und achtundvierzig Minuten geboten wurde, war ein Overpromoting von Wintour herself und ein Werbefilm für die Vogue (und Starbucks). Was hätte man sich auch anderes erwarten können? Hat wirklich jemand geglaubt, dass Wintour sich demaskiert, wie eine Furie durch die Gänge zischt und Mitarbeiter zur Schnecke macht?
Dieser Film wäre nie zustande gekommen.
Stattdessen gibt es Weichspüler ohne Ende. Grace Coddington, die Überstylistin, André Leon Talley, der Klassenclown und Vuitton-Maniac, Mario Testino als Zicke, zahlreiche Praktikanten und ergriffene Designer in den Nebenrollen, die Wintour mit Madonna vergleichen und Her Majesty, die wie Marge Simpson stets die gleiche Halskette mit verschiedensten, schrecklich bedruckten Kleidern kombiniert, trägt.
Der Inhalt: Die Entstehungsgeschichte der Septemberausgabe 2007 mit Sienna Miller am Cover. Viel bekommt man von dieser Enstehungsgeschichte nicht zu sehen, ein wenig Geplänkel mit Verlagsangestellten auf den Gängen zwischen Designerklamotten im Wert von mehreren Millionen Dollar, Wintour die genervt seufzt und – Skandal! – einem Stylisten sagt, er solle etwas anderes bringen, worauf dieser einen halben Nervenzusammenbruch bekommt… Es wirkt etwas lächerlich, wenn man glaubt den Zuschauern dies als Backgroundstory zur dicksten Vogue-Ausgabe aller Zeiten unterjubeln zu können.
Das Editorial mit Sienna Miller, die von Mario Testino verhunzt wird, der sich an diesem Tag nicht inspiriert fühlte – Wintour schweigt im Film beharrlich dazu – ging wohl auch in die Geschichte der schlechten Beispiele ein. Dass schlußendlich Miller ein Wunderwerk der modernen PhotoShopKunst wurde, ist ein weiteres Thema. Ihr Hals war zu “fett” und wurde von einem anderen Foto eingefügt.
At least something Vogue-ish!
Im Nachhinein stelle ich zwei Thesen auf:
a) Anna Wintour ist “netter” wenn das rote Licht der Kamera blinkt, oder
b) die Welt macht sie zu einem Monster, das sie nicht ist.
Entscheidet selber.





ich wähle B und stimme dir sonst gerne zu!
ich freu mich auf deine zusammenfassungen wenn die next model-elite aus welchem land auch immer beginnt! :-D
und werbefilm für apple hast du vergessen! ;-)
Schön geschriebener Post! Ich bin auch schon sehr gespannt auf den Film. Leider konnt ich ihn bislang noch nicht sehen :(
Gut auf den Punkt gebracht!
Achja, und eine Thakoon-Werbung war es auch! jetzt wissen wir, dass sie ihn mag ^^