Wie vor kurzem dieses österreichische Modemagazin fällt auch die FAZ mit ihrem gestrigen, auf FAZ.net publizierten Artikel “Modejournalismus: Die Macht der Modeblogger” (Achtung: hier gibt es anscheinend nur Männer!) auf. Es ist ein peinliches Zeugnis dessen, was gerade die Printwelt versucht zu begreifen, und bei diesem Versuch (oft) kläglich scheitert. Da verwendet man Fotos, die bereits Patina ansetzen, da werden keine Links zu angeführten Blogs gesetzt und Sätze wie: “Bryanboy ist dreiundzwanzig Jahre alt und gern ein Star. Er kleidet sich exaltiert, sieht exotisch aus. Er ist auf den Philippinen geboren, aber überall zu Hause”, verwendet, die an die Beschreibung eines Kandidaten aus Herzblatt erinnern. Noch peinlicher: I like my Style wird als Blog angeführt.
Anspruch auf Berühmtheit, Popularität? Wenn Modeblogs mit dieser Motivation gestartet worden wären, wären wir sicher nicht dort wo wir heute sind.
Ähnliches Szenario wurde im Artikel der Zeit “Modeblogs: Mode als Dialog” von Tillman Prüfer (siehe “Glamourversprechen Modeblog” Anne auf Modebeitrag) vor wenigen Wochen gezeichnet. Statt bei MTV anzuheuern, würde man jetzt seinen eigenen Blog starten und Modebloggerin wäre quasi ein Traumberuf. Aha.
Stumpfsinniger geht es wohl nicht mehr.
Beständig geht es in den Artikelüberschriften um Macht. Die Macht der Blogger, die Macht der Straße, die Macht des Internets,…. Ich kann es schon nicht mehr hören. Wenn Macht freie Meinungsäußerung ist, die über einen Fetzen in einem Schaufenster (pardon!) getroffen wird, dann soll es so sein. Wären doch alle gesellschaftspolitischen Revolutionen so einfach, wie einen Blog aufzusetzen.





hi:) ich hab mal eine frage zum post “7 tage 7 outfits”. und zwar trägst du da ja diese wunderbare kette von ebay. aber da ist als artikelstandort südkorea eingetragen, hattest du deshalb probleme mit dem zoll bzw musstest du drauf zahlen? ich würde nämlich auch suuuper gerne da bestellen:) danke schon mal im vorraus & klasse blog! :)
Nö, ich hatte überhaupt keine Probleme. Der Versand war auch gratis. Ich weiß zwar nicht, was der Firma dann noch überhaupt übrig bleibt, aber die Qualität ist wirklich überragend! Besser, als bspw. Monsoon oder Händler mit ähnlichem Sortiment. Teresa habe ich einen Haarreifen mitbestellt und der war ebenfalls sehr, sehr gut gearbeitet. Hatte sogar Rauhlederbesatz auf der Innenseite!
aber der artikel hat insofern recht, das einige blogger zu ziemlich billigen werbeplattformen mutieren sobald ein paar geschenkchen wackeln… der fuchspelz an bryanboy ist nur der gipfel!
Da hast du schon recht.
Vielleicht sollte man sich generell einmal über die sinnvolle Monetarisierung von Blogs unterhalten ohne gleich den
Teufel an die Wand zu malen.
Vielen lieben Dank!:)
es ist wirklich erstaunlich, dass die printmedien sich so schwer tun, die blogs zu verstehen und sie zu einem fast schon kryptischen phänomen erheben. ich bin mir nicht sicher, ob es tatsächlich angst ist, oder wirklich einfach unwissen/-sicherheit.
von den inhalten abgesehen: wie kann man internetinhalte nennen und nicht einen einzigen link setzen? das muss man doch zumindest im umgang mit dem internet schonmal mitbekommen haben!!!!
ich stimme deiner position zu. zusätzlich finde ich es interessant, wie sich der weg “blog goes print” gestaltet. es ist nicht allein ein aufstreben der “neuen” am gange. vielmehr interessiert mich, wie die “alten” auf die neuerungen reagieren. und dieser artikel verrät sehr viel über genau jene position.
… über Artikel dieser Art darf man sich aufregen!
Journalisten haben halt größtenteils ‘ne web-Phobie und nutzen hier vor allem die Recherche-Möglichkeiten. Wären sie web-affin, wären sie Blogger geworden und hätten dort ihr Sendungsbedürfnis kompensiert. So betrachten sie Blog-Journalismus als zweite Ware aus erster Hand und zittern in ihren Verlagshäusern vor dem Zeitalter des Einzelkämpfer-Selbstvermarkter-Journalismus’.
Und ob Blogger positiv berichten, nur weil’s Geschenke gibt, ist eben ein Spiel mit der eigenen Glaubwürdigkeit. Wer’s übertreibt, ist online unten durch und kann sich wieder ‘nen richtigen Job suchen. Ein faires Agreement, finde ich.
Mein Eindruck ist, dass sich kein Print-Journalistin oder Journalist mal mit einer Modebloggerin oder Modeblogger zusammensetzt, um über die Blogszene zu reden. Sie scheinen ausschließlich alleine vor dem Rechner zu sitzen und im Internet zu recherchieren. Nach einer zwei oder dreistündigen Netzrecherche kann man sich aber keiner ein Bild von Modeblogs machen.
@Jane & @Patricia
Ich kenne aber auch persönlich positive Beispiele, wo mich JournalistInnen über meinen Blog und die Blogszene befragt haben. Man darf nicht alle über den Kamm scheren.
Bedauerlich ist es, dass gerade von nicht-modebezogenen und vor allem seriösen Publikationen wie Zeit, FAZ, SZ etc. Artikel dieser Qualität gebracht werden.
vielleicht sollten wir bloggerInnen (ich nehme mich da nicht aus) auch aufhören, immer nach dem print zu schielen und uns von dort bestätigung erwarten – so, als bräuchten wir eine absolution, dass wir`s ja genauso gut können. (und nein, nicht alle print-journalistInnen sind desinteressiert, da gebe ich mia recht)
Ich werfe da keinen Stein. Ich bin auf die Modeblogszene erst aufmerksam geworden, nachdem ich einen Artikel für die Zeitschrift Unicum geschrieben habe – für die Offlineversion. Ich hätte damals bessere Ansprechparnter gebrauchen können.
Liebe Blogger! Da scheint es ein paar Missverständnisse zu geben, was meinen Artikel betrifft. Habe zum Beispiel auch Frauen thematisiert, wie Garance Doré oder Kathrin Bierling. Hoffe zum Beispiel auf die Fähigkeit sogar von Zeitungslesern, bei der Google-Suche nach “Scott Schuman” auch dessen Fotos zu finden, da muss man doch wirklich nicht jede Web-Adresse in die Zeitung schreiben. Wollte den Lesern zum Beispiel auch etwas erzählen über die Äußerlichkeiten von manchen Bloggern, wie man es in jeder Reportage macht, und dass Bryanboy gerne ein Star ist – darüber sind wir uns doch einig, oder? (Dass das zum Beispiel auf Tommy Ton nicht zutrifft, mithin längst nicht jeder Blogger berühmt werden will, wird in dem Artikel auch deutlich.) Und dass ich, liebe Patricia, den Artikel nicht vom Schreibtisch aus geschrieben habe, sondern vier Tage lang in Mailand mit unendlich vielen Leuten gesprochen habe, wird bei der Lektüre doch hoffentlich auch klar, oder? (Viele Gesprächspartner wie Craig Arend oder Géraldine Dormoy, die tolle Blogs machen, konnte ich mangels Platz nicht mal im Artikel unterbringen.) Die Monetarisierung, liebe Mia, scheint mir in der Tat das zentrale Thema zur Zeit. Und da muss man zum Beispiel Bryanboy zugutehalten, dass er den Fuchspelz nicht nur gerne annimmt, sondern auch im Blog erwähnt – er schafft also eine Transparenz, wie man sie in fast 120 Jahren “Vogue”-Geschichte noch nie hatte. (Siehe dazu auch die Geschichte auf Modepilot über Carine Roitfeld und Balenciaga!) So schlimm finden wir Printleute die Blogs also gar nicht! Herzliche Grüße auf die andere Seite, Alfons Kaiser