Warum Wien keine Modestadt ist.

Ich weiß nicht, wer jemals auf die Idee gekommen ist, diese Phrase ernst zu nehmen. Bereits seit einigen Jahren quält man sich ja bei Podiumsdiskussionen mit einer Frage, die wahrscheinlich viel zu früh gestellt worden ist und eine Erwartungshaltung schürt, die ich bei weitem nicht erfüllt sehe. Nicht mal im Diskussionsansatz.

Sicher gibt es in Wien viele Modeförderungen der Stadt, des Bundes, der WKO, privater Stifter, etc. und man bemüht sich. Es gibt kleine Labels, die Lindengasse, Projekte, Modeschulen, eine Fashion Week, die Vienna Awards und alles schwirrt und surrt in einer sehr kleinen und überschaubaren Szene, die sich zu oft in meinen Augen um den eigenen Nabel dreht. Eine wahre Entwicklung sehe ich nicht wirklich und im allgemeinen ist mir das alles viel zu sehr in einem Elfenbeinturmdenken versteckt, das in einer kleinen Szene nun einmal herrscht. Dem Otto Normalbürger ist es nämlich sehr wurscht, was diese kleine Szene macht und ein Bewusstsein für Mode in der Bevölkerung sehe ich schon gar nicht gegeben. Eine Modestadt ist eine Weltstadt und hat Weltbürger, die offen für neues sind. Das sehe ich in Wien wenig.
Es hat nicht einmal etwas mit der Größe der Stadt zu tun in der wir leben, sondern mit dem Umgang von Mode. Geht man in London mit einem auffälligen Teil auf die Straße interessiert das genau niemandem. Auch nicht in Paris. In Wien kann man damit nicht mal eine Straße entlanglaufen ohne zwei (nicht schmeichelhafte) Meinungen zu hören, die einem Passanten an den Kopf schleudern. Faktum.

Egal wie sehr wir uns den Zustand einer Modestadt wünschen, das Mindset in Wien der allgemeinen Bevölkerung fehlt und das kann man nicht mit Modeförderungen oder ähnlichem herbeizwingen. Wien ist so. Und deswegen nicht schlechter oder weniger lebenswerter, aber definitiv keine Modestadt. Und da mögen Politik-Granden noch so sehr einen solchen Zustand herbeiwünschen, er wird zumindest in nächster Zeit nicht eintreten.

13 thoughts on “Warum Wien keine Modestadt ist.

  1. hängt auch davon ab wo man in auffälliger garderobe herumläuft. im 7ten passts aber im 10ten whole nother story… in paris in den banlieus wird man mit glitzer-flatforms und neonprintlegging auch 100% blöd angemacht

  2. ich gebe dir recht. das ist auch der grund, warum ich mich beispielsweise in new york aber auch london sehr wohlgefühlt habe. dort geht stylingtechnisch alles (positiv als auch negativ). davon inspiriert habe ich mir dort einige teile gekauft, die ich tatsächlich noch nie in wien getragen habe. sehr schade. aber ich hoffe es verändert sich. braucht wahrscheinlich noch einige jahre. aber so wie wien berlin-iger wird, was die lokal- und clubszene angeht, so wünsche ich mir das auch für die mode.

  3. Pingback: Modemetropole Wien… Nein. › Journal Emanuel-S

  4. Pingback: Wien als Modestadt und Pinterests of the Week | Eloquent.at

  5. ich sach mal so: und den zugezogenen wirds hier auch nicht gerade leicht gemacht…das ist hier schon eine sehr eigene mentalität, die ich zu beginn in wien völlig unterschätzt habe.

  6. Die Wiener sind keine Modeweltbürger aber die Wiener Designer machen Mode von Welt! Ich trage nahezu nur Mode aus Wien und werde sogar in New York auf die Kleidung angesprochen! Den Wiener Designern geht es eben so wie vielen österreichischen Künstlern: Man macht die Karriere anderswo! Insofern könnte im besten Fall nicht Wien eine Modestadt werden aber Mode aus Wien dank der Förderung und Co. ein Exportschlager werden.

  7. Pingback: Eine Fashion Week ist nichts fuer Wien | ivy.at

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