Was haben Zalando und Alexander McQueen gemeinsam? Fair gearbeitet wird woanders.

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Ich habe mich in letzter Zeit immer öfter und intensiver mit dem Thema der Ausbeutung in der Textilindustrie beschäftigt und ich werde dazu in unbestimmter Zeit meinen Blickwinkel auf die ganze Sache präsentieren.

Doch ein Intro, das ich heute hier und jetzt beginnen werde, ist der Irrglaube, dass Ausbeutung in der Modeindustrie stets in einem fernen, fernen Land namens Bangladesch oder Vietnam stattfindet. Nur dort würden die Näherinnen und Näher malochen. Ist es nicht wunderbar, dass das alles so weit weg ist? Wir können immer wieder den Kopf schütteln, wenn es in der Primetime läuft und damit hat sich die Sache. Dann können wir weitermachen.

Denkste. 

Was ihr hier oben seht, ist ein Screenshot des Twitter Accounts von einem der drei Samwer Brüder, die unter anderem Zalando aus dem Boden gestampft haben, und – wie ich in der Vergangenheit erfahren habe – mit Wassern gewaschen sind, die wohl im Geiste Gordon Gekkos stehen, worauf sie auch noch verdammt stolz sind. Kein Wunder, dass diese Menschen uns das Jamba Sparabo (2004 für 270 Millionen Dollar verkauft) per VIVA eingetrichtert haben. Ihre Zalando TV Werbungen gleichen in Tonalität und perfider Idiotie diesen eins zu eins. Da hat sich nichts geändert.

Ich möchte mich über die postpubertäre Art und Weise mit denen Herr Oliver Samwer seinen Twitter Account befüllt nicht näher befassen, noch weniger mit dem Satz, den er da über sich in aller Eile so hineingefitzelt hat, dass er da wohl ganz entgegen seines Egos ein “i” klein schrieb, doch man kann die Gangart unschwer erahnen, die auf dem Rücken von Mitarbeitern Profit erwirtschaftet.

Anfang diesen Jahres waren die Machenschaften von Amazon und ihre Ausbeutung an Mitarbeitern in der Kritik (siehe Der Standard). Jetzt ist es das von Samwer geführte Zalando. Über sieben Stunden dürfen sich Logistik Mitarbeiter in ihrem Dienst nicht hinsetzen, wenn jemand langsam ist, wird er … na, was wohl? Richtig, gefeuert. Sympathische Truppe. Übrigens kann man nicht gerade sagen, dass das absolute Neuigkeiten sind, denn bereits im Sommer 2012 sind ähnliche Medienberichte herumgegeistert 

 

[Wie schade, dass er offensichtlich auch seinem Englischlehrer gekündigt hat.]

 

Doch bleiben wir nicht bei Zalando hängen. Gehen wir weiter. Dorthin wo es richtig fancy wird. Wo alles nur so glitzert, vor Modegottesfurcht bebt und unser Eindruck nicht von billigem Polyester überschattet wird: Alexander McQueen.

Der Modekonzern lässt in puncto Angestelltenverhältnis in vielen Punkten zu wünschen übrig. Das lässt sich alleine aus einem Email erkennen, das nicht einmal in seinen Grundzügen versucht zu verschleiern, wie im Haus McQueen mit Mitarbeitern umgegangen wird. “Neun bis elf Stunden” Arbeitszeit mit gewünschter “Flexibilität” waren da in der Job Description zu lesen, die an Hochschulen ausgeschickt wurde. Lediglich die Bezahlung fiel im Gegensatz zu den Anforderungen eher nicht ins Gewicht. 60 britische Pfund pro Monat erhielt man im Gegenzug dafür in Essensgutscheinen. Natürlich ist ein solcher Name im CV für das spätere Leben wirklich viel wert, doch ob ein unbezahlter All-in Vertrag in dieser Dimension für beide Seiten wirklich fair ist, kann man hier wirklich bezweifeln. Zumal es sich bei McQueen auch nicht gerade um ein bankrottes Label in einem Hinterhof handelt, das sich keinen Mindestlohn leisten kann und der Praktikant bei dem Arbeitspensum sein Studium unterbrechen muss.

Ebenso geht es bei Condé Nast weiter, die aufgerechnet sechs Dollar pro Tag ihre Praktikanten bezahlt haben und dieses “Goodie” mittlerweile gänzlich eingestellt haben (Quelle: Refinery 29). Natürlich noch immer ein Job für den “viele Mädchen sterben würden”. Wirklich?

Die Geschichte, die allerdings dem Fass den Boden ausschlägt, ist die Tatsache, dass man sich bei Condé Nast ein 10wöchiges Praktikum Kurs auch kaufen kann. Wer die finanziellen Möglichkeiten von 8.500 Dollar hat, darf “Fashion Journalism” bei Vogue lernen. Hui! Eine darauf folgende Anstellung ist natürlich absolut selbstverständlich von vornherein ausgeschlossen.

Lese-Tipps:

Would You Apply For This ‘Abusive’ Alexander McQueen Internship?

Would You Pay $8,500 for a Glorified Fashion Internship?

Not Cool: Condé Nast Has Stopped Paying Interns?

 

 

3 thoughts on “Was haben Zalando und Alexander McQueen gemeinsam? Fair gearbeitet wird woanders.

  1. Vielen Dank für den Artikel! Ich kann das nur unterschreiben und ärgere mich auch über die Idiotie dieser Menschen und ihrer gesellschaftlichen Anerkennung. Ich will nicht wissen, wie viele Menschen genau diese Attitüde bewundern udn auch gern mal die Macht hätten 150 Menschen zu kündigen.
    Jobs die diese Startups schaffen, sind oft leider überhaupt nicht nachhaltig in dem Sinne, dass die Menschen verbraucht werden, damit sie sich etwas Schönes in den CV schreiben können und die Unternehmen nach drei Jahren verkauft werden. Hach.

  2. Hi,

    mit der Aussage, dass der Twitter Account tatsächlich von Oliver Samwer selbst stammt, wäre ich eher vorsichtig. Das sieht mir eher nach Satire bzgl. seiner Blitzkrieg-Mail aus:
    http://www.spiegel.de/netzwelt/web/oliver-samwer-web-millionaer-sagt-sorry-fuer-blitzkrieg-mail-a-805537.html

    Nichtsdestotrotz sollte man genau solche Unternehmen, bzw. Unternehmer_innen im Auge behalten, die durch Ausbeutung ihrer Angestellten und unser Kaufverhalten hohe Profite einfahren.

    Grüße,
    Matthias

    • Hallo Matthias,

      Danke für den Hinweis! Vielleicht ist der Account Satire, vielleicht auch nicht. Die Blitzkrieg Geschichte kenne ich, wollte ich hier aber nicht näher kommentieren.

      Allerdings mal ein Ding zum Nachdenken: Warum lässt ein Konzernchef einen solchen Twitter Account nicht löschen? Soetwas ist in meinen Augen rufschädigend. Durch die Untätigkeit lässt sich dann auch wieder eine gewisse Geisteshaltung ablesen.

      Nichts für ungut.

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