13festival: Li Edelkoort – Mode Trends 2015

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Li Edelkoort ist mit ihrer ruhigen Stimme, wie eine Therapeutin, der man gerne zuhört und sie hinterfragt als solche, schlichtweg alles, was Menschen auf unserem Planeten treiben. So stellte sie auch gleich am Anfang ihres Vortrages beim 13festival plötzlich fest: “Fashion people do not believe in fashion anymore!” Bitte, wie?

Die logische Schlußfolgerung kommt auf dem Fuße: Fashion Weeks werden nur mehr von Firmen gesponsert werden, die nichts mit Mode am Hut haben. Autobauer, Technologie-Konzerne, das übliche eben. Modeleute hingegen lieben alles, was ihre Arbeit in die Welt der Kunst hebt. Dies gilt es sich in der Modeindustrie bewusst zu machen und zu dem zurückzukehren, warum man sie liebt. So einfach, so klar, so analytisch. Das ist Li Edelkoort.

Solche blinden Flecken lotete sie in den nächsten drei Stunden im MAK aus. Und es sind so einige, wie sich zeigen sollte. Das Unterbewusstsein, das den Ausdruck der Trends als roten Faden durchläuft, gilt es auszuheben und zu erforschen. Natürlich ist hier die allgegenwärtige Krise ein Thema. Doch wie Li Edelkoort bereits letztes Jahr meinte, sei unsere Generation schon so an Krisen gewöhnt, dass es fast schon seinen Schrecken verloren hätte. Fast.

Wir werden uns in den nächsten Jahren auf all das zurückbesinnen, was uns die digitale Welt vermeintlich genommen hat: Gemeinschaft. Kurzum “Gathering”, wie Edelkoort den “Mega Trend” für 2015 nennt. Ein Überbegriff, der in seiner Vielschichtigkeit von der Holländerin in zwei Stunden in den Bereichen Mode und Interiordesign erklärt wird.

Gathering ist nicht nur ein soziales Phänomen, das sich an den “Cocooning”-Trend der Neunziger anlehnt, sondern vor allem durch das zusammenraffen auch im textilen Bereich versteht und als solches vor allem Volumen produzieren wird im Sinne folgender Verarbeitungstechniken:

  • Facettierung – hier kann man scharfe, geometrische, origamiartige Schnitte beobachten
  • Pleats – Falten, die gleichzeitig Bewegung stark hervorheben und in Schwingung bringen
  • Draping – das “Konservieren” für die Zukunft, in dem wir alles einpacken und sowohl unseren Körper, als auch unsere Gegenstände zu einer Kostbarkeit machen, wie es Edelkoort beschreibt
  • Layering – entstammt dem Nomaden Trend, der bereits voll eingesetzt hat
  • Rüschen – alles ist in Bewegung, alles entwickelt sich – ist positiv zu verstehen

Zurück zum Ursprung

Wir sind uns so fremd geworden, dass wir alles neu entdecken müssen! So wirkt es jedenfalls, wenn man sich durch die Bilderflut der Edelkoort’schen Präsentation bewegt. Gerade in letzter Zeit sei es der Trendforscherin auf ihren vielen Reisen aufgefallen, dass Modestudenten wieder selber zum Webstuhl schreiten und ihre eigenen Stoffe herstellen. Der gute alte Fleckerlteppich in Couture Form. Stoffe, die ihre eigene Geschichte erzählen und strukturell werden. Ergebnisse einer überästhetisierten Gesellschaft? Absolut! Die Sehnsucht nach dem Unperfekten, weil wir es vergessen haben, wie etwas “in echt” aussieht.
Was also die belächelten Studenten der “Experimentellen Archäologie” auf den Universitäten seit langem betreiben, wird plötzlich en vogue. Wer hätte das gedacht.
Die Pliseefalte als eine bereits im alten Ägypten verwendete Arbeitstechnik wird durch “Stitching” erzielt. Einer weiteren Arbeitstechnik, die sich auch in der Denimmode, die sich gerade neu erfindet, ausdrückt.

Der Folklore Touch drückt sich auch im Materialmix aus. Stoffe, die aussehen als hätte man Bänder und Borten aneinandergereiht, Jaquard als überspitzte Form dieses Trends gesellt sich ebenfalls dazu.

Trends mit Abschieds-Faktor

  • Tarnished

Eine regelrechte Melancholie macht sich in einem anderen Trend breit, den Li Edelkoort bereits bei ihrem letzten Vortrag vor über einem Jahr angekündigt hat: Die verfremdete Verwendung von typisch edlen Farben. So wird Schwarz “verkohlt” und rau in neuen Oberflächentechniken eingesetzt, und Metalle wie Gold bekommen jetzt einen “zerstörten” Touch.

  • Decayed

Geht mit “tarnished” einher. Dabei werden Materialien wiederum in einer mehr als used-Optik hergestellt, Löcher in die Oberfläche gebrannt, etc. Der Eindruck an eine ehemals reiche Welt soll erweckt werden.

  • Veiling

Das Verschleiern geht mit einem starken Drang zur Anonymisierung aus, die eine Gegenbewegung zur permanenten Onlinewelt darstellt. Anonym zu sein, wird quasi der neue Luxus. Aus diesem Verschleiern kann man auch den Trend zum “Draping” (siehe oben) ableiten. Das erfordert natürlich neue Materialqualitäten, die sich wie ein Kokon um unseren Körper legen. Dabei wird in der Couture verstärkt Baumwolle eingesetzt, die besonders in starken Qualitäten zu sehen sein wird. Auch Leinen oder Satin Duchesse schlägt jetzt die Stunde.

Farblich wird sich alles weiter an den Über-Trend Weiß halten. Pastellfarben werden so stark mit Weiß gemischt, dass sie nurmehr einen zarten Hauch an Farbe besitzen, also fast schon getöntes Weiß. Dieser Hang zur Luminiszenz drückt sich auch in den so aktuellen Wasserfarben aus.

3 thoughts on “13festival: Li Edelkoort – Mode Trends 2015

  1. ach ja, und spannend ist, der gleichzeitige trend zur gemeinschaft und zur anonymität. sehr ambivalent. aber genau daraus entstehen interessante dinge.

    • Ja, es bestätigt sich wiedereinmal die Regel, dass jeder Trend einen parallel laufenden Gegentrend hat.

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