Der Tenor der Presse, wenn über Anna Wintour gesprochen wird, meint sie würde Kollektionen – gar Designer – vernichten, ihre Kritik würde sich verheerend auswirken…
Beachtlich ist das Faktum, dass in der happy peppy Welt namens ‘Vogue’ noch niemals zwischen den vor Werbesujets triefenden Seiten je Kritik an Kollektionen aufgekeimt wäre. Es ist ein Mysterium woher die wohlinformierten JournalistInnen das Wissen beziehen Wintour wäre Kritikerin? Selbst die Arbeit einer Suzy Menkes kann man selten kritisch beschreiben – nachdem sie einmal vor Jahren (Skandal, Skandal!) bei Dior wegen Negativkritik rausflog, war’s das.
Und damit wären wir bei einem Grundproblem des massentauglichen Modejournalismus (wenn man ihn überhaupt als ‘Journalismus’ bezeichnen kann): Aktive Kritik wird nicht ausgeübt.
Im Gegensatz zum ebenso zu bezeichnenden Kulturgut Theater bewertet niemand eine Kollektion wie eine Neuinszenierung. Es wird beklatscht, toll befunden. Wenn nicht, wird es ausgeblendet. Doch kritisiert? Niemals. Vielleicht hat Wintour schon einmal ihr Näslein in der Front Row gerümpft. Solange der Designer die Werbeseiten der Vogue gebucht hat, braucht er deswegen sicher keine Angst zu haben.



Der PR-Gag: Live your own movie dream! 




Anna Wintour bildet das Klischee der ultimativen Chefin und verbindet dieses mit der Tatsache, dass sie einen (angeblich) unglaublich glamourösen Job macht. Irgendetwas strahlt diese Frau aus, das sie auf der einen Seite mit den Prädikaten “dämonisch” und “herrschsüchtig” beschreibt, auf der anderen wird sie als unersetzliches Genie gepriesen.

