Wenn die Wintour Politik macht

 photo vogueapril2013michelleobama_zps0d837c0b.jpgAngesichts der Scheuchs und Dörflers in diesem Land sind “talentierte Politiker” eine sehr rare Gattung. Da erinnert man sich ja noch mit Wehmut an einen Vranitzky zurück. Und deswegen neide ich den Amerikanern auch Obama. Sicher – wenn man dort lebt – sind die politischen Entscheidungen, die er trägt nur aus der Ferne so makellos positiv zu beurteilen, doch vom politischen Talent eines solchen, gibt es am europäischen Kontinent gerade nicht wirklich vergleichbares (in hohen Ämtern).

Doch egal wie sehr man Obama-Fan ist, dieser Subtext auf der April-Ausgabe der Vogue tut schon weh, so stupid und schleimerisch, dass es Anna Wintour mittlerweile auf der Stirn geschrieben steht, wie sehr sie einen Job im Weißen Haus (letztens war sie ja sogar als Botschafterin im Gespräch) möchte.

Ohne jetzt das Innere der Vogue gelesen zu haben: Da rüttelt jemand gewaltig an den Toren der Politik. Vielleicht doch die späte Berufung? Wintour stammt schließlich aus einer Familie, die mit Mode so gar nichts am Hut hat und sich dem politischen Journalismus widmete – ihr Vater war Redakteur für den London Evening Standard.

Weitere Indizen, die dafür sprechen? Vom Hörensagen soll sie der Gattin des letzten Gegenkandidaten Obamas (Ann Romney) die Klamotten vor der Nase weggeschnappt und ihr die Designer abspenstig gemacht haben. Mit einer Wintour ist nicht zu spaßen. Da fliegen schon mal die Hackeln tief.

Das bessere “The September Issu”

Wir können uns alle an die Doku “September Issue” rund um die VOGUE Redaktion und Anna Wintour erinnern. Bis auf erfrischende Aussagen von Grace Coddington, die sich nach und nach zur wahren Heldin dieser Doku entwickelte, vergisst man eine, die bereits im Jahr 2000 gedreht wurde.

BBC spannte in ihre Reihe “Boss Women” Anna Wintour zu einer Zeit, als sie noch nicht von Tote Bags oder T-Shirts entgegenblitzte. Und Jahre bevor Streetstyle-Blogger und Bryan Boys die Fashion Week bevölkerten. In meinen Augen ist die Doku “ungestellter” – soweit man das sagen kann – da Wintour zur damaligen Zeit noch keinen Popstar-Status wie heute genoss. Die Chefredakteurin, die für Medienauftritte einen Publizisten braucht, war damals noch nicht am Start. Die kam erst später

Mit Hamish Bowles und einer stark lispelnden Plum Sykes an ihrer Seite, wagte sich Wintour noch zu Aussagen, die man so nicht von ihr erwarten würde. “I love to have people on the magazine that are Mavericks. I don’t expect her [Plum Skyes] in the office 9 to 5. I want her to be out, to be on parties… It’s important to me, that they are in touch with everything.” Sounds like a fun job, right?

Kate Upton in der VOGUE Italia

Man kann ihr zweifelsfrei die schönsten Brüste im Model-Biz attestieren: Kate Upton, 20, hat nicht nur Terry Richardson mit einer komischen Tanzeinlage auf YouTube glücklich gemacht, sondern wohl alle, die dem weiblichen Geschlecht zugetan sind. Das Anna-Nicole-Smith-Double hat aber noch mehr Urban Legends am Buckel. So soll sie Anna Wintour einen Scheck auf den Tisch geknallt haben, um eine Einladung zum MET Ball zu bekommen. Die hat sie dann auch bekommen. Solche Stories tun einer feschen Nichte eines republikanischen Kongressabgeordneten aus Michigan gut, der die Welt zu Füßen liegt und die sich bald über fette Werbeverträge freuen kann. Die VOGUE Italia hat sie jetzt als Dominatrix von Steven Meisel fotografiert ins Rennen geschickt. Mit überbordender Oberweite und schlecht sitzendem Leder-Fummel in der Gotham-Kulisse von New York, pre-”Sandy”. Was auch immer aus der Monroe-Erscheinung noch werden soll: Kate Upton kommt mit ihrer Lolita-Schnute überall hin.

Kritik? Modejournalismus? Wo?

Der Tenor der Presse, wenn über Anna Wintour gesprochen wird, meint sie würde Kollektionen – gar Designer – vernichten, ihre Kritik würde sich verheerend auswirken…

Beachtlich ist das Faktum, dass in der happy peppy Welt namens ‘Vogue’ noch niemals zwischen den vor Werbesujets triefenden Seiten je Kritik an Kollektionen aufgekeimt wäre. Es ist ein Mysterium woher die wohlinformierten JournalistInnen das Wissen beziehen Wintour wäre Kritikerin? Selbst die Arbeit einer Suzy Menkes kann man selten kritisch beschreiben – nachdem sie einmal vor Jahren (Skandal, Skandal!) bei Dior wegen Negativkritik rausflog, war’s das.
Und damit wären wir bei einem Grundproblem des massentauglichen Modejournalismus (wenn man ihn überhaupt als ‘Journalismus’ bezeichnen kann): Aktive Kritik wird nicht ausgeübt.
Im Gegensatz zum ebenso zu bezeichnenden Kulturgut Theater bewertet niemand eine Kollektion wie eine Neuinszenierung. Es wird beklatscht, toll befunden. Wenn nicht, wird es ausgeblendet. Doch kritisiert? Niemals. Vielleicht hat Wintour schon einmal ihr Näslein in der Front Row gerümpft. Solange der Designer die Werbeseiten der Vogue gebucht hat, braucht er deswegen sicher keine Angst zu haben.

Mailänder Fashion Week: Aus 3 mach wieder 7.

Was haben sie alle im Februar noch gewettert und geschimpft, als Anna Wintour verkündete sie könne nicht lange in Mailand bleiben, um sich die wichtigsten Modeschauen anzusehen und die Fashion Week kurzerhand auf drei Tage gekürzt wurde.
Dies ist allerdings das erste und einzige Mal gewesen, denn die Spring/Summer 2011 Fashion Week wird sich diesem Terminchaos entziehen und von 22. bis 28. September abgehalten – also ganze sieben Tage – wie Vogue.it berichtet. Der letzte Tag soll Labels mit internationaler Orientierung gewidmet sein. Ob es sich nicht dann wieder hier stauen wird…?

"Daddy, ich will ein Praktikum bei Vogue!"

Der PR-Gag: Live your own movie dream! CharityBuzz versteigert ein Praktikum bei der Vogue mit Ticket-Package für diverse Fashion Weeks, dem Teen-Vogue Handbook und als Krönung des ganzen ist ein – oh my god! – Meet & Greet mit Anna Wintour dabei. Die würde nämlich, laut Fashionista normalerweise kein Praktikant zu sehen bekommen.

Vor meinem inneren Auge spielen sich Szenen mit hyperventilierenden, zahnbespangten Gossip Girl-Fans (Sorry für die Schubladisierung) ab… doch leisten kann sich das ganze nur, wer auch in einer solchen Welt lebt, denn dafür braucht´s einen Sugar Daddy bzw. Sugar Mommy: Eine Woche bei der Vogue am Times Square Kaffee machen und dafür “a priceless week-long experience at the revered magazine” zu bekommen, schlägt bereits mit einem Rufpreis von $1000 zu Buche, dessen schlußendlicher Reinerlös der Auktion – und jetzt kommt der vertretbare Teil – dem RFK Center for Justice and Human Rights gespendet wird. Erwähnenswert: im Package ist noch eine DVD von The September Issue mit dabei. Nichts mit The Devil Wears Prada.

foto/credit:  Christopher Lee Sauvee

another story…

Da hat sich Terry Richardson was eingebrockt. Erst auf Rock´n´Roll/Pornostar machen und dann das unschuldige Engerl mimen. Nein, er habe keine Minderjährigen begrapscht und das wäre alles eine fiese Intrige – mehr bei blica.
Von wem die Zeichnung oben stammt, ist unbekannt (found by Raffaela), aber ist schon eine nette Metapher auf den Herrn und die High Fashion Szenerie. Dass er der einzige ist, der sich gegenüber Models so benimmt, glaube ich wirklich nicht, aber vielleicht wäre er jetzt nicht in so einem schiefen Licht, hätte man es nicht bei den vielen, vielen Fotos, die zu diesem Thema existieren, geahnt. Nach dem Motto: “There´s a big pink elephant in the room and no one´s allowed to talk about it.”

Eigentlich hat es Michael Lau mit seiner überdimensionierten Richardson-Playmobil-Figur ja ganz gut auf den Punkt gebracht…

foto/credit: edit: gefunden, siehe Kommentar: Humor Chic by aleXsandro Palombo

London Fashion Week: Burberry Prorsum im 3D Livestream

40 Meter Laufsteg waren notwendig um die A-list Stars unterzubringen, die bei der Autumn/Winter 2010 Kollektion für Burberry dabei waren, die erstmals live in 3D online gestreamt wurde. Mit einem kurzem Interview von Christopher Bailey, einem ausführlichen Backstage Bericht, Interviews mit den Models, einer überdrehten Twiggy, Kate Hudson und Mary Kate Olsen, wurde die Übertragung noch gestreckt. Mia Wasikowska (die Hauptdarstellerin des neuen Tim Burton Films `Alice´), Claire Danes und Kristen Stewart, sowie Anna Wintour, Suzy Menkes und die üblichen Verdächtigen waren da.
Eine Minute vor der Show wurde Regen über dem symbolischen Karo auf die Videowalls eingespielt.
Herzklopfmomente: der Stream fiel immer wieder minutenlang aus.
Aber bei der Aufmerksamkeit, die bereits Tage vor der Show im Internet herrschte, und gefühlten hunderttausend Zusehern, die per Twitter und Facebook ihre Kommentare hinzufügen konnten, war das auch kein Wunder.

Christopher Bailey legte sich heuer auf Lammfelljacken mit großen Krägen und als Kontrast dazu strenge Offiziersmäntel aus dunkelblauer Wolle, fast hüfthohe Overknees und derbe Boots mit Schnallen, die durch grazile Absätze so manches Model zum Wanken brachten, fest. Der traditionelle Trench Coat stand (zum Glück) nicht in solcher Ausführlichkeit im Mittelpunkt, wie sonst Kollektionen zuvor.
Ein wenig verwundert die tausendste Wiederauflage des Nieten-Themas bei den Taschen. Da hätte ich mir einmal etwas neues und frisches gewünscht.

Mehr Screenshots findet ihr nach dem Klick read on

A view on The September Issue

Es ist spät. 2 Minuten vor Donnerstag und ich muss doch noch die frische Erinnerung zurechtklopfen. Häppchenweise. Zusammen mit Michi (Danke für´s Organisieren!), Zad, Teresa, Vanessa machten wir es uns mit Pizza vor dem Beamer gemütlich, während der erste Wintersturm um die Häuser pfiff. Leider war Julia nicht dabei: Gute Besserung! read on

Anna Wintour bei David Letterman

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Johannes B. Kerner hatte Karl Lagerfeld, David Letterman Anna Wintour.
Die Dame, über die nach Der Teufel trägt Prada und dem Dokumentarfilm The September Issue soviel gesprochen wurde, obwohl sie zuvor fast nie in der Öffentlichkeit den Mund aufmachte, war gestern abend bei Letterman in der Late Night Show zu Gast. Gawker meinte im Vorfeld, das wohl das schlimmste was passieren könnte eine Nuclear Wintour (so ihr viel zitierter Sptizname) zu erleben. Das wohlkalkulierte Gegenteil trat ein. read on

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