Knapp vorbei….

Die derzeitige Ausgabe des ‘Zeit Magazin’ beschäftigt sich mit dem Titel “Wohin geht die Mode?” und der prophetischen Weissagung die Haute Couture würde Dank der neuen reichen Oberschicht in Fernost eine Renaissance erfahren. “Den Handwerkern der Mode ist dieses Heft gewidmet”, verspricht man vollmundig und Tillmann Prüfer schreibt in der Heftmitte dem Couturier Nr. 1 – Karl Lagerfeld – und seiner Stickabteilung Lesage bei Chanel ein ebenbürtiges Verhältnis zu.
Weiter geht es mit den “Handwerkern” sprich Näherinnen von diversen Designern wie Dries van Noten, Vivienne Westwood oder Isabel Marant, die neben ihren Arbeitgebern in den verschiedenen Ateliers fotografiert wurden, doch deren dazugehörige Texte sich leider nur in den ersten Sätzen auf die Damen hinter den Kulisse fokussiert, der Rest scheint die brav aus Wikipedia abgeschriebene Designer-Bio zu sein bzw. lässt nur den Designer und seine Sicht zu Wort kommen.
Schade. Die Idee den flinken Händen, die schließlich Träume aus Stoff wahr werden lassen auch einmal einen Namen und ein Gesicht zu geben, ist eine längst überfällige Geste, doch leider hier nicht ganz gelungen.

Die FAZ versucht sich….

Wie vor kurzem dieses österreichische Modemagazin fällt auch die FAZ mit ihrem gestrigen, auf FAZ.net publizierten Artikel “Modejournalismus: Die Macht der Modeblogger” (Achtung: hier gibt es anscheinend nur Männer!) auf. Es ist ein peinliches Zeugnis dessen, was gerade die Printwelt versucht zu begreifen, und bei diesem Versuch (oft) kläglich scheitert. Da verwendet man Fotos, die bereits Patina ansetzen, da werden keine Links zu angeführten Blogs gesetzt und Sätze wie: “Bryanboy ist dreiundzwanzig Jahre alt und gern ein Star. Er kleidet sich exaltiert, sieht exotisch aus. Er ist auf den Philippinen geboren, aber überall zu Hause”, verwendet, die an die Beschreibung eines Kandidaten aus Herzblatt erinnern. Noch peinlicher: I like my Style wird als Blog angeführt.

Anspruch auf Berühmtheit, Popularität? Wenn Modeblogs mit dieser Motivation gestartet worden wären, wären wir sicher nicht dort wo wir heute sind.
Ähnliches Szenario wurde im Artikel der Zeit “Modeblogs: Mode als Dialog” von Tillman Prüfer (siehe “Glamourversprechen Modeblog” Anne auf Modebeitrag) vor wenigen Wochen gezeichnet. Statt bei MTV anzuheuern, würde man jetzt seinen eigenen Blog starten und Modebloggerin wäre quasi ein Traumberuf. Aha.
Stumpfsinniger geht es wohl nicht mehr.

Beständig geht es in den Artikelüberschriften um Macht. Die Macht der Blogger, die Macht der Straße, die Macht des Internets,…. Ich kann es schon nicht mehr hören. Wenn Macht freie Meinungsäußerung ist, die über einen Fetzen in einem Schaufenster (pardon!) getroffen wird, dann soll es so sein. Wären doch alle gesellschaftspolitischen Revolutionen so einfach, wie einen Blog aufzusetzen.