Wenn Stefani Germanotta alias Lady Gaga heute abend auf der Bühne der Wiener Stadthalle eine Ausgabe ihrer Monsterball-Tour durchexorziert, ist diese nicht nur im Ausnahmezustand, sondern auch Zeuge eines Phänomens auf das die meisten Popmusik-Interessierten seit Madonnas letztem verzweifelten Album gewartet haben. Zu dem Zeitpunkt (und ja ich war auf der Sticky & Sweet Tour) war klar: There’s no way but down mit der Königin des Pop. Zusammen mit den italienischen Wurzeln verbindet Gaga mit Madonna den Moment ein neues Medium perfekt für sich zu nutzen. Bei Madonna war es MTV und als Reality den Video Star killte – wie Robbie Williams sein letztes Werk so schön nannte – und der Musiksender sich für blonde Nichtstuerinnen in den Hollywood Hills entschied, die den Untergang des Senders in puncto Musik beschleunigten, nutzte Gaga den Youtube-Boom perfekt und schaffte sich einen Twitter-Account an. Wenn der Dame, die schließlich erst 24 Lenze (!) alt ist, in einer Schaffenspause einmal bewusst wird, welchen Wahnsinn sie angezettelt hat, kann man schon jetzt einen kleinen Zusammenbruch prophezeien, den so viele andere vor ihr auch erlebt haben. Das Gefühl bloße Projektionsfläche für hohle Fantasien zu sein, die man in dieser Form nicht wecken wollte, sowie ein neues Album zu schreiben, das den gewaltigen Erwartungen standhalten muss, ist kein schönes. Lady Gaga ist auf der einen Seite perfekt plakativ für die Popindustrie, auf der anderen ein Gesamtkunstwerk dessen Fähigkeit sie in allen Facetten zu verstehen ich dem Otto-Normalverbraucher abspreche. Wenn sie es verkraftet auf ihr angebliches Hermaphroditen-Dasein und Fleischkleider reduziert zu werden, als dass sie z.B. auf den Missstand der US-Army hinweist in der sich homosexuelle SoldatInnen nicht outen dürfen, dann wird schon alles klappen.

foto/credit: twitpic