Paris Fashion Week: Chanel, Louis Vuitton, Givenchy

Das Karussel wirkte etwas abgekupfert, hat es doch Chanel bereits vor wenigen Jahren im Grand Palais aufgestellt. Die Spring/Summer 2012 von Marc Jacobs hält sich aber an die Reinheitsgebot 2012. Fast pures Weiß wurde mit so manchen PVC-Taschen präsentiert. Was ganz was neues. Am Ende kam Dauergast Kate Moss auch vorbei. read on

Image-Building und die Crux des handgemachten Luxus.

Die Anfertigung eines Prototypen, der im Atelier ensteht ist eine Sache, die andere ist die Massenfertigung. Mit diesem Umstand wissend, vermitteln Luxus-Marken gerne ihren potentiellen Kunden sie würden etwas besonders hochwertiges kaufen, wie es der Preis wohl auch rechtfertigen würde. Nachdem in und nach der Wirtschaftskrise das Wort “value” (Wert) und “heritage” (Kulturerbe) in dermaßen inflationärer Form in jedem Statement einer Marke auftaucht, dass einem schwindlig wird, versucht man diesen beständigen “Wert” auch visuell an den Kunden zu bringen, schließlich will der ja mittlerweile mehr für sein Geld als scheinbares Prestige.
Wie es scheint, wird in dieser neuen Blase der Wertschaffung mit allen Mitteln die Produktion ins zart gefilterte Licht gerückt. Und dabei geht eben nichts über die gute, alte Handarbeit, welche die Qualität eines Produkts manifestieren soll.
Was bei Hermès bereits seit Jahren mit der Dokumentation des Herstellungsprozesses der Birkin Bag gut läuft, versuchen auch andere immer wieder, und treffen dabei oft nur den schalen Beigeschmack.

Bereits vor über einem Jahr geriet Louis Vuitton in die Kritik, als Werbesujets veröffentlicht wurden, die wohl der Realität (siehe Bloomsberg Businessweek) entbehren. In gesoftetem Licht Handwerker wie Heiligenstatuen abzubilden, war schließlich auch für die britische Werbebehörde zuviel, die den Konzern LVMH rügte, auch wenn er die Produkte in Frankreich produziert. Louis Vuitton zog daraufhin seine Werbung zurück.


Louis Vuitton

Ein wenig erinnert mich auch der dieser Tage veröffentlichte Clip von Chanel Eyewear daran. Karl Lagerfeld, der am Schreibtisch sitzt, die minutiöse Handarbeit mit der das Brillengestell angefertigt wird… Das ist schon alles ganz nett, wenn man an die Entwicklung denkt, aber wie sieht die Anfertigung des einen bestimmten Stückes aus, das der Kunde kauft? Ebenso gesoftet und gehübscht?

Hier muss man einen Schritt zurückgehen und sich den Lizenzmarkt der Modeindustrie ansehen. Und siehe da: Seit 1999 besitzt die Mailänder Firma Luxottica (ihr Besitzer ist der zweitreichste Mann Italiens!) die Lizenz für Chanel Eyewear. Mailand, Italien, ist ja alles toll. Aber wo wird produziert? Schon ein wenig schwieriger herauszufinden.
Schließlich wird man hier fündig:

Product design, engineering/development and manufacturing take place in six production facilities in Italy, two wholly-owned subsidiaries in the People’s Republic of China and a sports sunglasses plant in California. Luxottica also has a smaller plant in India, serving the local market.

Aus welcher Fabrik aber schließlich die Chanel-Brille kommt, die Lagerfeld im Film ersann, ist nicht herauszufinden. Der suggestive Eindruck des europäischen Kollektivvertrag-Verdieners als Arbeiter reicht. Oder würden es sich Firmen trauen in solchen Filmen asiatische Gesichter zu zeigen?

In eine ähnliche visuelle Kerbe schlägt auch Schuh-Designer Giuseppe Zanotti, allerdings blieb der mit seiner Produktion ausschließlich in Italien.

Fashion Industry’s News of the Week

Image Hosted by ImageShack.usAzzedine Alaïa hat Rückgrat. Denn er lehnte gerade ab Nachfolger von John Galliano bei Christian Dior zu werden. Wie der Telegraph zu überliefern weiß: “Mr Alaïa wasn’t interested.”

Image Hosted by ImageShack.usPrada ging heute als erster italienischer Modekonzern in Hongkong an die Börse. “Der Verkauf von Anteilen bringt dem [...] bekannten Traditionsunternehmen knapp 1,5 Milliarden Euro ein – es bleibt aber unter Kontrolle der Familie.” Wie könnte es in Italien anders sein… (FOCUS Online)

Image Hosted by ImageShack.usBusiness Of Fashion merkt an: “Versace is having a moment!” Nachdem diese Woche die Kollaboration mit H&M (ab Herbst weltweit in ausgewählten Stores) erhältlich ist, hüpft die omnipräsente Lady Gaga in ihrem neuen (schrecklichen) ‘Edge Of Glory‘-Video ausschließlich in Vintage-Versace durch die Gegend.

Image Hosted by ImageShack.usNach jahrelanger Zusammenarbeit trennt sich Jil Sander vom japanischen Konzern UNIQLO. Damit wird es ihre Linie +J bald nicht mehr geben. (Mode.net)

Image Hosted by ImageShack.us100 neue Stellen sind ab sofort bei Net-a-Porter in der IT Abteilung ausgeschrieben, die wesentlich restrukturiert wird. (CIO)

Image Hosted by ImageShack.us“Her mit den neuen Gesichtern!”, scheint das Motto des nächsten Herbstes zu werden. Jedenfalls wenn es um die Kampagnen der Konzerne geht, denn Prada und Louis Vuitton entschieden sich für wenig bekannte Models. Soviel Mut gehört belohnt. (Vogue)

    foto/credit: video still, prada, uniqlo, dior

    Das Sieber-Phänomen.

    Kennt jemand Caroline Sieber? Ich meine jetzt abseits von irgendwelchen bleichen Fashion-Irren, die 24-Stunden in gebückter Haltung vor einem Screen verbringen und die Sonne nurmehr vom Hören-Sagen erahnen.
    Nicht?

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    LOUIS VUITTON Fall/Winter 2011

    Was Marc Jacobs Louis Vuitton für den Winter 2011/2012 verpasst, sieht aus wie ein Hof akkurat gekleideter Klosterschülerinnen. Gummistiefel-Highheels, Uniformmäntel und Blouson-Jacke mit Pelzpuffärmeln, dazu Peter Pan Krägen und Muster wie man sie auch von Miu Miu kennt. Man kann zwar nicht behaupten man dafür hätte sich jemand designtechnisch einen Haxen ausg’rissn, wie die Wiener sagen, wohl eher noch in den Details.

    Dann finden sich aber auch noch sehr eigenartig proportionierte Schnitte, wie dieser hier, wo nicht genau klar ist, ob es am Model oder am Kleid mangelt.

    Apropos Models. Von Stolpern (3. Minute) bis pferdartigem dahergestampfe und göttlichem á la einer rauchender Kate Moss (im Schlepptau mit Jessica Stam) war alles vorhanden.

    Wer sich selber ein Bild machen möchte, kann sich die Show hier ansehen.

    foto/credit: video stills

    Louis Vuitton – Fall Winter 2010/2011

    Ansonsten bin ich überhaupt kein Fan von Louis Vuitton, aber die Röcke der Kleider, der nächsten Fall/Winter Kollektion, sind unglaublich schön. Zu Soundtracks aus Filmen der Fünfziger Jahre, marschierten die Models um einen Springbrunnen – und Laetitia Casta, Karolina Kurkova und Ellen McPherson waren nach langer Zeit wieder auf dem Laufsteg zu sehen. Letztere war sogar seit 20 Jahre nicht mehr für eine Marke gelaufen.

    Für alle, die sich ein bisschen mehr Zeit nehmen, habe ich die gesamte Show in voller Länge hier:


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    Louis Vuitton // SS 2010

    Der Meister der Übertreibung, Marc Jacobs, hat wieder zugeschlagen. Zumindest wenn es um die Frisuren der Models geht, die mit gigantischen Afros über den Laufsteg geschickt wurden und Diana Ross zu ihren besten Zeiten wohl eifersüchtig gemacht hätten. Der Rest – die Klamotten – waren ein warmes Aufguss von Gewohntem: Fransen, Graffiti von Steven Sprouse auf Minikleidern und das erschreckendste: gigantische Bauchtaschen! Ich dachte das hätten wir in den 90ern geparkt, würden es bereuen und nie wieder darüber sprechen. Warum müssen plötzlich alle nach Trailer Trash aussehen? (Siehe Clogs und Chanel)
    Bei Marc Jacobs kann man sich wenigstens gewiss sein, dass er weiß wie hässlich es ist. ;)

    Fotos gibt es bei WWD

    Brands: Digital IQ

    Die nicht unwesentliche Platzierung im Web 2.0 ist von Unternehmen oft entweder vernachlässigt oder so stark forciert, dass es nurmehr peinlich wird, die Gratwanderung zwischen Präsenz und Zurückhaltung ist hier eine schmale. Im Digital IQ Ranking von LuxuryLab (PDF) wurde die Qualität einer solchen Positionierung bewertet. Ich kann zwar nicht nachvollziehen warum z.B. Burberry nur mit “Average” beurteilt wird, da sie sich besonders bei der letzten Show per Twitpics Freunde gemacht haben, eine interessante Idee ist ein solches Ranking allemal und vielleicht trägt es auch zur digitalen Bewusstseinswerdung von Brands bei. Louis Vuitton auf Platz 1 wird nächsten Mittwoch untermauert, auf Facebook gibt es die Show live zu sehen.

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