Was ich noch zum #aufschrei sagen wollte

“Es reicht!” sagt der Buchtitel, der vor mir liegt. So heißt das neue Buch, herausgegeben von Alice Schwarzer. Eine Zusammenstellung vieler Texte unterschiedlicher Autorinnen. Thema: Gegen Sexismus im Beruf, Anstoß dazu: Der #aufschrei

Als Anne Wizorek vor kurzem auf Twitter fragte, was der #aufschrei gebracht hat, als sie darum bat noch einmal zu reflektieren, was es “für euch, für andere, allgemein” brachte, hab ich eine Antwort in einen Tweet gepackt, der sagte, dass es mir persönlich mehr Ehrlichkeit und Offenheit in meinem Umfeld, sowie unzählige vorher ungeführte Gespräche brachte. Ihr dürft da übrigens gerne auch die anderen Antworten auf den Tweet lesen!

Soweit so gut, aber eigentlich ist es mehr, das passt aber nicht in 140 Zeichen und ich möchte versuchen es in einem Text festzuhalten.
Es sind zwei Geschichten, die eine aus dem Privaten, die andere aus dem beruflichen Alltag. Ich beginne mit dem Beruflichen.

Ist das ein Flirt oder kann das weg?

Ich lese zur #aufschrei Debatte Artikel von Politikjournalistinnen, die über den Sexismus berichten, den sie in ihrem beruflichen Alltag erleben. Dann nämlich, wenn sie Interviews mit Politikern führen. Mein erster Gedanke: Hey, schön, es geht also doch nicht nur mir so. Ich arbeite als Journalistin im Lifestyle Bereich. Ich habe viele Interviews geführt, bei keinem hat mir einer zwischen die Schenkel gegriffen oder mich offensichtlich verbal angemacht. Unzählige Male habe ich aber trotzdem etwas neidisch zu meinen männlichen Kollegen geschaut und mir gedacht, dass die es wohl viel einfacher haben.

Ich sehe wohl oft jünger aus, als ich bin. Man behandelt mich dann wie eine junge, unerfahrene Journalistin und das tut ein bisschen weh. Ich erinnere mich, wie oft ich eine Tür öffnete und nicht wegen des Interviews, sondern wegen der bevorstehenden Situation nervös war. Klar, kann das auch passieren, wenn einem eine Frau gegenübersitzt. Aber bei einem Mann ist es noch einmal etwas anderes. Das hat jetzt nichts mit Sexismus zu tun. Auf den ersten Blick. Für mich aber schon. Das möchte ich erklären, ich weiß nicht genau, wie ich dieses Gefühl beschreiben soll, ich möchte es aber mit ein paar Beispielen zusammenfassen.

Mir wurde öfters eine Visitenkarte zugesteckt, bei einem Interview ja ganz klar, aber oft sind dann da auch noch andere Veranstaltungen, bei denen man sich trifft. Dieses Visitenkartenzustecken an sich ist ja noch ok, aber immer, wenn ich das in Ordnung fand und nett war und auch meine reichte, hatte ich am nächsten Tag immer wieder Mal jemanden auf der Mailbox oder im Mailpostfach, der mir Anzüglichkeiten erzählte. Auch das ist ok, wenn es ein gegenseitiges Interesse aneinander ist. Ich liebe die Liebe. Und Kitsch. Und Romantik. Nur hat das halt meistens alles nichts mit Liebe zu tun, sondern damit, dass es ordentlich nervt und, dass ich mich keineswegs geschmeichelt fühle, wenn in regelmäßigen Abständen berufliche Gespräche als eine dateähnliche Situation verstanden werden. Ich mag es, wenn man sein Gegenüber respektiert und nett zueinander ist. Mit einer Frau als Gesprächspartnerin ebenso, wie mit einem Mann als Gesprächspartner. Da kenn ich keinen Unterschied und genau das wird oft von einem der beiden Geschlechter falsch verstanden. Eine Frau hatte ich nämlich am nächsten Tag noch nie auf der Mailbox.

manAußerdem gibt es da noch einen anderen Punkt, über den ich eigentlich nie so gesprochen habe, weil ich mir dachte, dass das ja jetzt nicht so wichtig ist. Auch da habe ich seit dem #aufschrei doch das Gefühl, dass es das ist und, dass es auch ok ist, wenn mich das stört. Das Flirten. Ich spreche mit einem männlichen Gegenüber und zurück kommen Sätze wie “Sie als junge hübsche Frau …”, “Das Kleid steht ihnen sicher auch super, so schlank und hübsch wie sie sind …”. Ja, Flirten ist etwas Hübsches, etwas Charmantes. Auch davon bin ich Fan. Aber mal ehrlich: Man kann sich professionell verhalten und muss nicht Zwangsflirten, nur weil man mit einer Frau spricht. Das muss nicht sein, wirklich nicht.

Und dann wäre da noch etwas (die Dinge hat man ja alle irgendwo ins Hinterzimmer im Oberstübchen gesperrt, deshalb ist es oft gar nicht so einfach sie wieder zu entstauben): Ich mag diese zufälligen Berührungen nicht. Busenstreifer! Hoppla, war das dein Knie? Wir verstehen uns, deshalb greif ich dir jetzt auf die Schulter! Muss auch alles nicht sein, denn würde man das machen, wenn ein Journalist statt einer Journalistin kommt? Nö, würde man nicht. Eigentlich ja auch ein ganz gutes Kriterium zum Überlegen: Wenn da jetzt ein Mann sitzen würde, würde ich dem auch an den Arm fassen? Nein? Dann kann man es auch bei einer Frau bleiben lassen.

Dieses Gefühl, das all diese Situationen erzeugen, habe ich jetzt nicht beschrieben. Kann ich nämlich nicht, es hat aber etwas mit Unwohlsein und Unsicherheit zu tun. Eine Unsicherheit, die ich nicht haben möchte. Eine Unsicherheit, die da ist, wo sie nicht hingehört, die aber nicht weggeht, solange sich die Situation nicht ändert. Ich ändere sie aber für mich, indem ich mir erst einmal selbst bewusst bin, dass es nicht mein Fehler ist. Und damit, dass ich mal eben mit jemand anderem drüber sprechen kann, ohne dass ich befürchten muss, dass man mich nur auslacht oder gar sagt, dass das ja alles sowieso nicht so schlimm ist.

Übrigens hab ich diese oben erwähnten E-Mails immer beantwortet, immer geschrieben, dass er da was falsch interpretiert hat. Und es ist immer wieder ganz erstaunlich was dann passiert, Verwunderung, gar keine Reaktion oder sogar ein Gesprächswunsch. Kam immer drauf an, meist wollte ich dann auch nicht nochmal drüber reden. Es einfach gut sein lassen. Am besten finde ich es aber immer, wenn dem Gegenüber gar nicht erst bewusst ist (!), dass es vielleicht nicht ok sein könnte, in den zweideutigen Flirtmodus zu verfallen. Der Grund warum ich die Mails beantwortet habe, obwohl ich es satt habe mich rechtfertigen oder erklären zu müssen? Das ist jetzt kompliziert und führt mich gleich zum zweiten Punkt, dem Privaten.

Ich will da jetzt drüber reden!

Es hat mich immer schon unglaublich aufgeregt, und ich habe das nie durchschaut, warum es so ist, dass Menschen nicht offen miteinander kommunizieren können. Stellt man sich vor, wie es beispielsweise auf einer Party ablaufen könnte:

“Schön, dass du heute da bist, ich habe dich schon öfters gesehen und ich mag dich. Du bist mir sympathisch und ich würde gerne mit dir Sex haben.”
“Ja, das klingt toll. Ich mag dich ebenso. Und ich würde ebenso gerne mit dir Sex haben.”

Ein gepflegtes Gespräch, dazu ein Whiskey und keine Schnörkel. Kein Drumherumreden, dafür übersprudelnder Respekt füreinander. Die Realität ist aber, dass man das, hat man ein bisschen Benehmen, nicht macht, weil das in die Alltagsschublade nicht reinpasst, weil sich das keiner traut. Dabei finde ich ja, man könnte sich auch gleich das Kapitel oben, also dessen Inhalt, sparen, wenn man einfach sagen könnte: “Findest du mich gut (oder – im Bedarfsfall, wenn es sein muss – geil)?” “Nein.” “Ok.”

Und dann einfach wieder respektvoll weitermachen. Nicht angrapschen oder anmachen. Einfach mal klar hinaus mit dem, was man fühlt. Wenn man was fühlt. Und deshalb hab ich auch die erwähnten Mails beantwortet. Ich stehe drauf ehrlich zu sein und hatte die Hoffnung, dass das über den elektronischen Weg ansteckend ist.

Denn es gibt da die Situationen, wo ich jemandem, den man an einem flirtungeigneten Ort trifft, unbedingt mitteilen möchte, dass man ihn gut findet. Kinder (ich wähle diese Ansprache, weil ich mir ohnehin gerade wie die kluge, uncoole, ratschlaggebende Mutter vorkomme), macht das! Bitte, schreit es raus! Gut, flüstert es mal zuerst besser, man will ja nicht gleich peinlich anfangen. Aber dieses Dinge versteckt, gar nicht, mehrdeutig ansprechen ist nicht so super und kann zu großem Herzschmerz führen. Unerwiderte Liebe ist etwas Unschönes und vielleicht auch gar nicht notwendig. Nur Mut, geht raus, verliebt euch, fragt höflich, ob ihr knutschen dürft. Und vielleicht war ja auch einmal bei mir ein Mailschreiber darunter, der als verdeckter Romantiker agierte. Ich hoffe es.

Der #aufschrei hat mir dabei geholfen, mich selbst an meinen eigenen Ratschlag zu halten, den Mut aufzubringen, es noch klarer auszusprechen, wenn man jemanden mag. Nicht ewig warten, nicht alles falsch interpretieren, nicht sich von den Falschen blöd anreden und den, den man gut findet, unerreichbar werden lassen. Einfach gerade raus damit und gleich drüber sprechen. Und dieses Herzrasen und gleichzeitig Erstarrung verursachende Gefühl einer Zurückweisung riskieren. Männer, und damit meine ich nicht alle, die kenne ich nicht, sondern die, bei denen ich es so gehandhabt habe, reagierten durchwegs super. Manchmal sogar erleichtert, dass man sich sämtliche Spielchen, die einem von (wem eigentlich?) vorgeschrieben werden, erspart, sondern gleich sagen kann, was Sache ist. Und falls jetzt Kinder mitlesen: Leichter wird das alles auch damit nicht, Herzen sind noch immer zerbrechlich, Enttäuschungen mehr vorhanden, als Ameisen im Ameisenhaufen. Aber mittiger wird es, das Gefühl, dass alles irgendwie nicht passt, alles unausgesprochen, unangenehm oder demütigend ist, geht weg. Für mich hat #aufschrei also nicht nur etwas mit Sexismus im Büro, im Alltag zu tun. Für mich wurde es dadurch auch einfacher zu reflektieren, was man in zwischenmenschlichen Beziehungen erlebt. #aufschrei hat für mich den Umgang miteinander verändert und in meinem Umfeld habe ich so auch einen Begriff gefunden, für etwas, das vorher nicht einfach in ein Wort zu packen war.

Ich lese nun das Buch, herausgegeben von Alice Schwarzer, weil ich erstaunt davon bin, wie schwer es ist Texte über dieses Thema zu formulieren, man kann eigentlich jedes Wort beim Lesen falsch verstehen. Ich bin mir dessen bewusst und fühle mich dadurch auch ein wenig gehemmt etwas dazu zu schreiben. Während der Buchlektüre fühle ich mich wohl in diesen Seiten, auf denen es ok ist, etwas nicht ok zu finden.

Liebe LeserInnen, wenn wir einmal so richtig heftig ehrlich zueinander sein werden, in der Zukunft, dann möchte ich mich schon jetzt darauf freuen.

Elke Freytag mit “crystal glam”

12 - Elke Freytag crystal glam

“Besonders inspiriert hat mich meine letzte Reise auf die Florida Keys, wo ich die meisten Ideen für meine neue Kollektion gefunden habe“, so die Designerin Elke Freytag über ihre Frühlings- und Sommerkleider. Die Kollektion setzt sich aus einem Materialmix zusammen, genauer gesagt sind Satin, Seide und Seidenmischungen, Lurex, zarte Naturfasern, Viskose und edle Techno-Materialien, zartes Chiffon und ebenso opulente Pailettenstoffe mit dabei.07 - Elke Freytag crystal glam

05 - Elke Freytag crystal glam01 - Elke Freytag crystal glam

Gewinnspiel: Hautschönheiten

cliniquegewinnspiel

Neulich habe ich den Beratungstagen von Clinique einen Besuch abgestattet. Ich bin ja jetzt nicht ein besonderer Fan von aufwändigem Make-up, was oft an gewisser Bequemlichkeit und akutem Schlafbedürfnis liegt, weshalb ich lieber eine halbe Stunde später aufstehe, als mich einmal ordentlich zu schminken. Gut, trotzdem wollte ich eines dieser Beratungsgespräche ausprobieren: In der Parfümerie bei (meine Nerven) gutem Licht und Spiegel, am bekannten Stuhl, auf dem man sich gleich ein bisschen wie im Rampenlicht vorkommt. Ich habe mich da hingetraut und was ganz anderes als ursprünglich erwartet erlebt: Die liebe Helga von Clinique hat mich verwöhnt, beraten, einen Hauttest gemacht, sehr fein geschminkt und mit zahlreichen Produkten für zuhause versorgt.

BeratungstageCliniqueDiese Produkte, genauer gesagt alle, die ihr am Foto oben seht, möchte ich euch nun überlassen. Mit dazu packe ich noch ein kleines Kosmetiktäschchen für die Handtasche. Dazu müsst ihr einfach nur einen Kommentar mit E-Mail Adresse und Namen unter diesem Post schreiben. Das Los entscheidet, welche Person all das erhält. Mitmachen könnt ihr bis zum 7. April 2013, 12 Uhr.

Übrigens habt ihr am 5. April die Gelegenheit von 9 bis 17 Uhr –  in Wien – ebenso zu einem Beratungstag zu gehen. Ihr könnt euch auch gerne vorab anmelden.
Parfümerie Marionnaud
Kärntnerstraße 30
1010 Wien

(EDIT: Das Gewinnspiel ist beendet. Das Los hat sich für Sofie entschieden. Herzlichen Glückwunsch, du hast bereits ein E-Mail erhalten!)

Bunte Socken, ganz durcheinander.

Ich hatte früher vor allem möglichen Angst. Davor von der Schaukel zu fallen, im Meer zu schwimmen oder vor mehr als zwei Menschen zu sprechen. Mittlerweile kann ich das alles ganz gut, ich habe versucht mich aus meiner Komfortzone hinauszuwinden und unter der Bettdecke hervorzukriechen. Gar nicht so einfach. Hat man doch tausend Argumente, warum dies eigentlich gar nicht sein muss. Vor einem habe ich aber nach wie vor Angst, es lässt mich unter die Schmusedecke aus Gefühlskollisionen verschwinden und nachts panisch aufwachen. Ich prokrastiniere liebend gerne die Texte, mit denen ich etwas sagen möchte, das mir wichtig ist, das ich aber nicht wage in Worte zu fassen, da es dann auch wirklich so dasteht und es kein zurück mehr gibt. Kein zurück, ganz wie im Print, was einmal veröffentlicht wurde, lässt sich nicht mehr so einfach zurück nehmen. Wie die Tippfehler des Lebens. Die Verantwortung gegenüber der Sprache und manchmal auch das Gefühl, dass es einfach nicht genügend Wörter gibt, um auszudrücken, was man sagen will.

SockenfotoZwei Themen, die mich so schon seit längerer Zeit in ihren Bann ziehen, sind Freundschaften und Beziehungen. Alle haben dazu schon etwas gesagt und irgendwie ebenso alles angesprochen. Trotzdem gibt es oft Situationen, in denen ich mir wünschen würde, dass ich den Satz, der mir als klares Bild vor Augen steht, auch verbal herausbringen würde. Klappt aber oft nicht. Und das Gegenüber malt sich ein anderes Bild aus, das ich so nicht skizzieren wollte.

Freundschaft ist wie Schokolade, manchmal zergeht sie, schmeckt aber trotzdem noch wie Schokolade. Ein anderes Mal zergeht sie und ist auch nicht mehr zu retten. Ein anderes Mal ist sie der rettende Anker in einer verzweifelten Situation, ein Bissen Geborgenheit, den man sonst nirgends erschmecken kann. Manchmal liegt sie aber auch einfach nur als kostbare Versorgung für den irgendwann eintretenden Notfall da und man beachtet sie gar nicht. Braucht man sie dann, stellt man fest, dass sie längst abgelaufen ist.

Über Beziehungen und … ja was eigentlich, da fehlen mir schon wieder die Worte.  Es gibt sie in Worte gefasst nur ohne Schattierungen. Offene Beziehung ist ein Facebook Status, aber keine Gefühlslage. Besitzverhältnisse und Monogamie stehen im Vordergrund, so sehr, dass ich mir manches Mal schon unsicher war, ob es diese Wörter sind, die mich zerfressen oder ob es tatsächlich die Herzschmerzmänner und -gefühle sind. Ich habe so den Verdacht, dass es öfters mal ersteres war. Konventionen. Was muss das muss. Schubladendenken. Ich will da raus, schlüpfe aber oft selbst tiefer unter die unsortierten Socken in der Schublade, als es mir lieb ist. Ich fühle mich hineingelegt und manchmal kraftlos, da selbst wieder rauszukommen. Ertränkt im farblichen Durcheinander und orientierungslos, obwohl dieses bunte Gewirr das ist, was mich so anspricht.

Ich bin ja generell schlecht darin mir Jahreszahlen zu merken. Mich daran zu erinnern, was ich wann gemacht habe. Der erste Kuss? Kann ich noch ungefähr einordnen. Genau weiß ich es aber nicht mehr. Früher dachte ich ja, dass das wichtig sei. Aber Jahreszahlen sind Jahreszahlen. Ein Moment ist ein Moment. Und für mich zählt das, was im Moment passiert ist. Die Parkbank und das Herzklopfen. Das Aufstehen und der Größenunterschied. In welchem Jahr das war, ist letztendlich gar nicht so wichtig für mich. So kann ich mich auch gar nicht mehr so genau daran erinnern, wann ich die erste Folge „Sex and the City” gesehen habe. Ich bin mit dieser Serie erwachsen geworden und hab sie herrlich befreiend gefunden. Vor allem habe ich mich aber immer eines gefragt: „Wie schafft man es, eine Kolumne über seine Freunde und Freundinnen zu schreiben, ohne dass diese einen früher oder später hassen?” Ich weiß es bis heute nicht und kann es auch nicht besonders gut. Es fällt mir nicht leicht. Persönliches mit anderen zu teilen ist schwierig, aber gleichzeitig auch befreiend. Sich alles von der Seele schreiben, die Grenzen der Sprache herausfinden, sie überschreiten. Neue Wörter kreieren. Flauschzone. Bierwunschverdacht. Seitensprungaffinitätsmensch. Wobei wir ja wieder bei den Besitzverhältnissen wären.

Als ich mich zum ersten Mal so richtig verliebt habe und erkennen musste, dass es da doch auch eine andere Frau gibt, hat es mir auf eine Art und Weise den Boden unter den Füßen weggezogen, wie ich es zuvor nicht kannte. Wie ich es mir nicht vorstellen konnte. Es tat gar nicht so sehr weh, wie ich es mir eigentlich vorgestellt hätte. Es war mehr ein Zustand, der endlos schien. Ein Zustand, als würde man in eine Schlucht fallen und gleichzeitig um einen herum völlige Stille herrschen. Dann aber, und das war vielleicht eine der besten Entdeckungen meines Lebens, bemerkte ich, dass ich das wegatmen kann. Gefühlswegatmung. Geht ganz leicht. Man muss sich nur konzentrieren. Und die Mitte finden. So nenne ich diesen Ort, wo ich mich hinatme. Regelmäßig. Leidenschaftlich. Macht irgendwann sogar ein bisschen Spaß.

Nun aber die Frage: Warum sind wir so auf ein Beziehungsmodell festgefahren? Warum werde ich, habe ich ein anderes gefunden, ständig gefragt, wie es mir denn damit geht und, ob ich mich schlecht fühle? Ich weiß es nicht. Es fühlt sich schlecht an, dass es sich schlecht anfühlen soll. Es fühlt sich so schlecht an, dass ich gar nicht mehr weiß warum es sich und seit wann es sich schlecht anfühlt. Dabei ist es doch gekommen, um sich gut zu fühlen. Um für all das zu sorgen, das die Hormone die Partyluftballone aufblasen und das Konfetti bereitstellen lässt. Offen sein, alles ansprechen statt sich verstecken und Bescheid wissen.

Ich würde gerne selbst entscheiden, wann ich wie fühle. Das ist nämlich ohnehin schon schwer genug. Und ein Vollzeitjob mit Familienausflug am Wochenende. Am Samstag und am Sonntag. Ich wünsche mir, dass wir uns mehr zuhören, aus den Schubladen mit den Socken – diese bitte nicht sortieren! – rauskommen und ein offenes Herz für die Gefühle des anderen haben. Dass wir uns in den Arm nehmen (wo hab ich eigentlich meinen allerliebsten Umarmungsfreund verloren?). Ich will erleben, ich will es feiern und ich will es nicht verdrängen. Ganz ohne passendem Schlusssatz. Dafür aber mit einem Zukunftswort: Herzensmenschen

Pages:1234567...508»