Antonius und Cleopatra sind im Burgtheater

Ein offener Vorhang, eine leere Bühne… das sieht man kurz vorm Beginn von Antonius und Cleopatra im Wiener Burgtheater. Was so unscheinbar anfängt geht schnell in eine ungewohnte Form der Kulissengestaltung über. Eine Badewanne in der Antonius und Cleopatra gerade ein Bad nehmen inklusive.

Annabelle Witt hat die Kostüme für die Inszenierung, unter der Regie von Stefan Pucher, gestaltet. Und was für Kostüme! Cäsar performt wie Mick Jagger, Antonius trägt Uniform. Open toe boots sieht man ebenso wie glitzernde Kleider. Wolfram Koch, Alexander Scheer und Catrin Striebeck glänzen neben all den Booten und anderen fahrbaren Gefährten die sich über die Bühne des Burgtheaters rollen.

Dass man sich bei der Kostümgestaltung wohl Ideen bei John Galliano geholt hat und eine Kritik zum Stück liest man bei der Frankfurter Rundschau (Stephan Hilpold). Diese meint unter anderem:

Die Kostüme sind kreischend und kess, blöde und bedeutungsschwanger und eine Zumutung.

Allerdings: Ich sehe dies keineswegs als negative Kritik und möchte noch eine Meinung vom Spiegel (Wolfgang Höbel) hinzufügen:

Stefan Pucher ist der letzte echte Pop-Begeisterte unter den Regisseuren in der ersten Liga des deutschsprachigen Theaters. Er hat sich von der Kostümbildnerin Annabelle Witt mal wieder so traumhaft schöne Schwulen-Leibchen und Silberstiefel, Paillettenkleider und goldene Büstenhalter zusammentragen lassen, dass man schon wegen dieser tollen Kleider fröhlich “Aaah!” und “Uiii!” schreien möchte, wenn seine Helden auf den Brettern des Burgtheaters Einzug halten.

Auch immer schön zu sehen, dass Cleopatra damals wohl in Bezug auf Liebe und Leidenschaft schon die selben Probleme hatte wie man sie auch heute hat. Nur, dass man eben Boten mit Facebook und email ersetzt hat. Ein Foto der Frau des Geliebten auf Facebook zu finden ist aber wohl dramatischer als ein Bote der aus Angst um sein Leben die Haare der neuen Frau von Antonius, namens Octavia, obwohl sie blond sind, mit kackbraun beschreibt… ach das waren noch Zeiten ;)

PS: Als kleine Anmerkung am Rande: Ich wünschte, dass man eine moderne Inszenierung nicht immer nur deshalb kritisieren würde weil sie modern ist. Man sollte nicht vergessen, dass Theater immer Geschmackssache war und bleibt.

foto/credit: Georg Soulek

0 thoughts on “Antonius und Cleopatra sind im Burgtheater

  1. Wie prüde sind Kritiker geworden, als das man dies hier mit “schwul” und “kess” titulieren muss? Das ist eine Zumutung.

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