Was nichts kostet, hat auch keinen Wert

Eigentlich mag ich gar nicht mehr darüber reden, dachte ich mir. Aus aktuellem Anlass und aus Gründen kam diese Diskussion aber wieder auf und ich möchte gerne meine Gedanken dazu einmal niederschreiben.

Es geht um die Gratiskultur, um die Generation Praktikum, darum “Blogger ins Boot zu holen”. Ich möchte darüber schreiben, ohne zu werten, nur aufzeigen, nicht urteilen. Dazu bin ich zu müde, denn dafür müsste man die gesamte Branche (ja, Journalismus, dich meine ich!) nehmen und verändern, nicht Kosmetik in einzelnen Redaktionen betreiben, Leute anstellen oder auch nicht, sondern grundlegend Einstellungen überdenken. Aber das wird noch dauern (nein, die Hoffnung, dass es sich mal ändern wird, hab ich noch nicht aufgegeben), denn in Gedanken steckt man immer noch in der Printzeitung, dem Studium und dem Schreibtischarbeitsplatz.

Und weil es schön ist Listen zu machen, hier meine Top 5 der unflauschigsten Journalisten- und/oder Bloggerarbeitsprobleme:

  1. “Mein Name ist Teresa und ich habe schon für drölfmillionen Blogs geschrieben!” “Hallo Teresa!” – “Mein Name ist Teresa und ich habe schon für *hier Printmedium mit bekanntem Namen einfügen* geschrieben!” “Oh hallo, Teresa! Wir freuen uns von dir zu hören, du musst ja was können, wenn du da schon geschrieben hast!” So. Immer. Ich habe das Gefühl, dass es nicht um Qualität, um Schreibstil oder um persönliche Begeisterung für ein Thema geht, viel mehr hilft es einen Namen eines bekannten Printmediums in die Jobbörsenmanege zu werfen, schon reißen sich alle um einen. Gut, das nun auch wieder nicht, aber ihr wisst was ich meine. Warum denken wir in Namen und nicht in Texten?
  2. Dies haben aber auch längst sämtliche “etablierte” Medien entdeckt. Wenn du jemanden kostenlos für dich schreiben lässt (oder auch zu einem Betrag von dem du gerade mal Steuern und Sozialversicherung bezahlen kannst, Essen aber nicht), dann wird es eben dieser Person im Lebenslauf weiterhelfen. Und soll ich euch was verraten? Ja, das stimmt! Siehe Punkt 1. Ja, es macht alles viel einfacher. Aber hier stellt sich mir die einfache Frage: Soll ich ohne Bezahlung arbeiten, um dann gegen Bezahlung arbeiten zu können? Bin ich besser, wenn ich für ein Medium, das jeder kennt, geschrieben habe? Na klar, ich sammle Erfahrung. Ich lerne mit Druck umzugehen, ich lerne, wie man Deadlines einhält, recherchiert und Dinge herausfindet, die nicht überall stehen. Ist das aber nicht auch die Aufgabe eines jeden Journalisten, der bezahlt wird? Eben. Und Miete, Strom, Essen, Kleidung etc. muss ich auch bezahlen, wenn ich mich gerade bei einem etablierten, etablieren muss. Ihr kennt das.
  3. I love you but I’ve chosen Zuverdienstgrenze. Das ist das Beste überhaupt. Entschuldigung, aber an dieser Stelle werde ich immer kurz emotional. Dadurch, dass man oft so bezahlt wird, dass man unmöglich eine gewisse Summe im Monat erreichen kann, würde sich das mit der Sozialversicherung niemals ausgehen. Und versteuern klappt auch nicht, weil man sich ja gar keinen Steuerberater leisten kann. Und dann passiert folgendes: Man ist unsicher, möchte aber schreiben und nimmt dann erst recht unbezahlte Stellen an, weil man sich die ganze Sache mit Steuer/Sozialversicherung sparen kann. Klingt gut, ist es aber nicht. Und nicht zu Rückzahlungen aufgefordert wird, weil man doch um zwei Euro eine Grenze überschritten hat, von der einem vorher niemand etwas erzählt hat. Oder man muss sich selbst versichern und lässt diese Versicherung herabsetzen, um sie sich leisten zu können, darf dann aber sowieso nichts dazuverdienen.
  4. Den ganzen Artikel selber schreiben ist das neue Kaffeebringen. Darüber sollte man auch mal nachdenken.
  5. Ausbildung. So, das ist so ein schwieriger Punkt, über den man auch mal sprechen sollte. Der NvD, also der Nerd vom Dienst, der im Internet wohnt und Sozialmedien in Schrift und Sprache in sämtlichen Dialekten beherrscht, hat eine schlechtere Ausbildung als der Journalist mit abgeschlossenem Studium neben ihm? Ist dies wirklich so? Ist das immer noch so? Sollte man da mal überlegen, ob es neue Formen von Ausbildung und Wissensaneignung gibt? Sollte man sich überlegen, wie wichtig Weiterbildung ist? Power Point für Fortgeschrittene-Kurse geht weg, euch meine ich nicht. Unterschiedliche Ressorts brauchen unterschiedliche Handhabung, unterschiedliche Themen, unterschiedliches Feingefühl. Wo lerne ich das? Ganz ganz ernst gemeinte Frage: Haben wir uns das schon genug überlegt? Ja, nein, war kurz auf Twitter, was hast du gesagt?

Rantende. Ich danke für die Aufmerksamkeit.

2 thoughts on “Was nichts kostet, hat auch keinen Wert

  1. Great. Klasse Bericht und ich kann dir zu 100 % rechtgeben und finde deine Überlegungen gut. Warst du nur wo, was Keiner kennt, kannst du auch nichts. Warst du bei einem großen (online)Magazin, Zeitung oder was auch immer, biste was. Da ist es am ende sogar schon was wert, wenn du dort nur als Putze die Büros und Klos sauber gemacht hast … mal krass gesagt.

    Dass mit den Steuern und der Krankenversichterung und Sozialversicherung, sehe ich auch als großes Problem bei Freiberuflichen Schreiberlingen, eben wie Journalisten, Autoren und co, denn die Grenzen sind zu knapp. Verdienst du deine 8000 euro im Jahr auf dieser Basis und kommst ein Stück drüber, musst du die Steuern bezahlen (die eigentlich der Auftraggeber übernehmen muss) und die Krankenversicherung. Und bezahlst du die Krankenversicherung, hast du schon wieder fast ein Minus auf dem Konto …

  2. Zustimmung. In jedem Punkt.

    Kann man leider auch auf jede andere Branche analog übertragen für Berufseinsteiger…. Kämpfen darum, dass man gesehen wird. Ellenbogen und Konkurrenz! :/

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