„Der Unterschied zwischen Kaufen fertiger Kleidung und Kaufen von Stoffen und Wollen ist die Phantasie.”

Buchcover Ich kauf nixKonsumwahn und Frustshopping, Einkaufen ist mitunter kein ganz so entspannendes Erlebnis. Aber wie kommt man etwa zu neuer Kleidung, wenn man sie nicht kaufen kann? Nunu Kaller hat das ein Jahr lang im Selbstversuch ausprobiert, was sie dabei erlebt hat, beschreibt sie nun in dem Buch Ich kauf nix.

In deinem Ende November erscheinenden Buch schreibst du darüber, dass du ein Jahr lang nichts in Kleidergeschäften geshoppt hast. Wie kam es dazu?

Zum Buch oder zum Projekt? Das Projekt entstand, weil ich selbst merkte, dass ich zu weit gehe mit meiner Shopperei. Ich war zwar nie im Minus (oder nie schlimm :) ), aber ich fand immer häufiger Stücke, die ich einfach “vergessen” hatte. Der Grund dieses immer häufiger werdenden Shoppings war eine veritable persönliche Krise, meine Familie riss es zu der Zeit von einem Schock zum nächsten, und auch mein damaliger Job überforderte mich. Das Ergebnis: permanente Selbstbelohnung, Selbsttröstung, Selbstablenkung. Ich hatte von solchen Nix-Kauf-Projekte vorher mal gehört, aber nie ernsthaft für mich in Betracht gezogen. Nach einer “Du bist nicht konsequent”-Diskussion mit meinem Freund arbeitete der Gedanke dann doch in mir, und im Urlaub, mit einigem Abstand von meinem Kleiderschrank, fiel dann der Beschluss.

Wo hast du sonst eingekauft, hast du da auch ausgewählt oder hat sich dein Projekt auf die Bekleidung beschränkt?

Grundsätzlich hat sich mein Projekt auf Kleidung, Schuhe, Taschen und Accessoires beschränkt. Das Lustige ist aber, dass ich bei der Kleidung früher einfach wirklich mein Hirn ausgeschaltet habe, während ich seit langem so oft es geht im Lebensmittelbereich zu Bio greife, meinen Fleischkonsum stark reduziert habe und meine Wohnung mit sehr wenigen Ausnahmen Second-Hand eingerichtet ist.

Du hast in diesem Jahr gestrickt und genäht, hast du dabei an das Prinzip Selbstversorgung gedacht? Wenn ja, was ist für dich da der wichtigste Unterschied zum Einkaufen in Bekleidungsgeschäften?

Teil meines Jahresprojekts war, meine Näh- und Strickfähigkeiten wieder zu aktivieren. Das ist auch gelungen, wenn auch beim Stricken um einiges leidenschaftlicher als beim Nähen. Mir aber all meine Kleidung selbst zu nähen und zu stricken, geht mir zu weit, das würd ich nicht schaffen und auch nicht wollen – kreative Schnittführungen sind nichts, was ich so locker hinkrieg (die passieren mir eher unabsichtlich, aber das ist eine andere Geschichte). Der Unterschied zwischen Kaufen fertiger Kleidung und Kaufen von Stoffen und Wollen ist die Phantasie. In einem Wollgeschäft ist meine Kreativität unglaublich angeregt, ich sehe nicht die fertigen Produkte, sondern die Möglichkeiten.

Nunu KallerMan liest, dass du in diesem Jahr “richtig viel Spaß” gehabt hast. Ganz direkt gefragt: Was hat dir da am meisten Spaß gemacht?

Das war vieles, das zusammengespielt hat, nicht eines, das am meisten Spaß gemacht hat: Das Entdecken der Möglichkeiten, das raus aus dem bisherigen Trott. Auf Nachhaltigkeit achtende DesignerInnen entdecken, meinen ersten Pullover stricken, meinen ersten Rock nähen, das Aufsaugen der vielen Informationen (gut, da haben sehr viele nicht so viel Spaß gemacht, sondern mich eher sehr traurig gemacht, Stichwort Monsanto oder Bangladesch), die Tauschparties von privat bis öffentlich, und auch das Bloggen – ich schreibe auch beruflich sehr viel, doch am Blog konnte ich frei Schnauze agieren. Und natürlich macht das Gefühl, das, was man sich vorgenommen hat, geschafft zu haben, auch sehr viel Spaß!

Wie stehst du zu Vintage, Second Hand und Tauschbörsen?

Ich finde Vintagemode toll, finde jedoch selten was in meiner Größe. Eine Freundin von mir hat einen eigenen Vintagestore (Vintage & Rosenroth), ich bewundere die Stücke bei ihr immer wieder – die Produktion war einfach eine andere, viel höhere Qualität. Bei Second Hand und Tauschbörsen bin ich etwas zerrissen: Bei Möbeln LIEBE ich Flohmärkte, aber ein Kleid auf einem klassischen Flohmarkt (zB. Wienzeile) hab ich mir noch nie gekauft. Jacken ja, aber nichts, was direkt am Körper ist, da hab ich ein bissl eine Schrulle (jaaaa, ich weiß, wie eine Waschmaschine funktioniert). Bei privaten Tauschparties ist diese Scham komplett weg, da weiß ich, von wem es kommt und höre auch die Geschichte des jeweiligen Teils. Was mich allgemein zu Tauschparties führt: Ich find sie genial und hab bisher auf jeder Tauschparty, ob privat oder öffentlich, ein neues Lieblingsteil gefunden.

Foto: Elisabeth Mondl

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3 thoughts on “„Der Unterschied zwischen Kaufen fertiger Kleidung und Kaufen von Stoffen und Wollen ist die Phantasie.”

  1. ein jahr nix neues kaufen. ich weiß nicht, ob ich das schaffen würde. ob da auch geschenke dazu zählen? oder nur selbst konsumiertes? ich probiers mal bis ende des jahres und dann schauen wir weiter …

  2. Ich war noch nie auf einer kleider tausch party.
    Aber irgendwie bin ich jetzt inspiriert selbst eine zu veranstalten…

  3. ich stimme Anna zu: gar nichts zu kaufen ist sicher mehr als eine grosse Herausforderung… aber: ich denke schon die Überlegung bei jedem zweiten Stück “Wie dringend brauche ich es wirklich?” führt oft dazu, es nicht mitzunehmen. Bzgl. Kleidertausch / Vintage / Flohmärkten hat man schon einen wichtigen Schritt Entgegen der Wegwerfkultur gesetzt, die Anzahl der Teilnehmer gibt den Veranstaltern meist recht. (Apropos, neu in NÖ: “Kleider tauschen und plauschen”, Korneuburg.)

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