Julia verträumt Eat Pray Love

Eat Pray Love ist absolutes Mainstream Kino, ein typisches Beispiel von dem was man als Hollywood Blockbuster bezeichnen würde. Dementsprechend schlechte Kritiken hat der Film auch von so manchem Qualitätsblatt bekommen, Mainstream ist nämlich selten gut. Wenn viel Geld investiert wird und man einen breitentauglichen Film macht der dann auch noch mit Julia Roberts ist, nun ein solcher kann in Wahrheit ja gar nicht gut sein. Besonders dann nicht wenn man das Buch, geschrieben von Elizabeth Gilbert, davor gelesen hat. Von dem es übrigens noch einen zweiten Teil gibt, die Geschichte in Bali setzt sich nämlich noch weiter fort. Was wäre der Weg aus der Ehe ohne dem Weg in die Ehe?

Nun meist geht es mir und der kritischen Betrachterin eines Kinofilms genau so: Ich lehne es ab diesen “super happy alles ist toll” Stil und in dem Land isst man super, in dem Land betet man am besten und hier liebt man ausgezichnet Vorurteilen etwas abzugewinnen. Eigentlich. Bei Eat Pray Love aber hat es mich zugegeben einmal so richtig erwischt. Ich bin von dem Charme den Julia Roberts dem Film verleiht (ja das meine ich durchaus ernst) und der Kraft die der Streifen vermittelt angetan. Ich finde es lustig wenn sie Eis essend neben den Nonnen sitzt oder in Indien Spitznamen verliehen bekommt. Ich finde es ebenso lustig wenn sie sich in Bali in einen Brasilianer verliebt und man im Zuge dessen ein bisschen die, wie ich finde, gut dargestellte emotionale Art des typischen Brasilianers auf die Schaufel nimmt.

Dass man dann in Bali mit dem Fahrrad unbekümmert durch die Gegend fährt oder auch Indien nichts vom dortigen Leben mitkommt ist die andere Seite, aber warum geht man nochmals ins Kino? Doch nicht wegen der Realität oder?

Ich stelle mich gegen das prinzipielle schlecht machen von “Gute Laune” Filmen. Wenn man was realistisches, informatives oder landestypisches sehen will empfehle ich freilich was anderes. Aber ein bisschen Lächeln, Essen und Lieben kann auch nicht schaden oder?

Notes on an American Film Director at Work: Martin Scorsese – Die Doku gezeigt auf der Viennale

Auf den Wiener Filmfestspielen, der Viennale, wurde auch die Doku von Jonas Mekas über Martin Scorsese gezeigt. Ein Film, der das Herz jedes Dokumentarfilmers sicherlich höher schlägen lässt.

Es geht nicht um die Kameraführung, nicht darum ob es perfekte Aufnahmen sind, nein es geht vielmehr darum Situationen einzufangen und Martin Scorsese am Set, bei der Arbeit, zu begleiten. Leonardo DiCaprio und die Anweisungen die ihm beim Dreh gegeben werden ergänzen den Film und lassen einen Filmdreh plötzlich als harte Arbeit und einen Job wie jeden anderen auch erscheinen. Man hat außerdem das Gefühl hautnah mit dabei zu sein.

Ob diese Doku einen guten Überblick über die Arbeit von Martin Scorsese zeigt, oder ob es nicht ausreicht ihn nur bei den Dreharbeiten zu einem Film zu begleiten, bleibt dahingestellt. Ist eigentlich auch ziemlich egal, ist man ein Fan von Blicken hinter die Kulisse und Dokumentarfilmen die einem an den Ort des Geschehens bringen. Ich mochte die etwas andere Herangehensweise an die Art eine Doku zu machen und sich bewusst Zeit zu nehmen Szenen voll zu zeigen ohne etwas herauszuschneiden.

Stones in Exile auf der Viennale

Mein ganz persönliches Highlight der diesjährigen Viennale, der Filmfestspiele in Wien, war dieser Film, eigentlich eine Musik-Doku, über die Rolling Stones. Musik aus den vergangenen Jahrzehnten die auch heute nicht aktueller sein könnte, von einer Band die mehr als nur Musikgeschichte geschrieben hat. Eine intime Dokumentation über eine Band, die es damals wie heute nicht leichte hatte mit ihrer Bekanntheit, mit ihrem Ruhm, umzugehen. Der Film erzählt mit vielen alten Originial Filmmaterial und Fotos eine Geschichte die von Musik und alles anderen als einfachen Situationen gekennzeichnet ist. Eine Band mit einer ungeheuren Anziehungskraft, eine ausverkaufte Vorstellung und für mich ein guter Einstieg in die Filmfestspiele

Viennale 2010 – 21.10. bis 3.11.

Hans Hurch und Alexander Horwath präsentierten bei der Pressekonferenz das Programm der diesjährigen Viennale. An den Spielstätten hat sich gegenüber dem letzten Jahren nichts verändert, hat sich doch die Vielfalt der Wiener Kinos international bewährt. Weil ich (wie üblich) wieder mal keinen Überblick über das Programm habe kann ich nur das Durchklicken sehr empfehlen. Am 16. Oktober startet der Kartenvorverkauf. Auf ein abwechslungsreiches Filmfestival mit Gästen wie Lou Reed darf man also schon mal gespannt sein.

foto/credit: Teresa | colazionearoma.com

il americano. no, l'americano!

Man könnte meinen es handelt sich um einen Film von Sofia Coppola, weiß man doch bis zum Schluss nicht wirklich worum es geht. Die Musik kommt von Herbert Grönemeyer und die fast schon kunstvollen Bilder der Landschaft werden durch George Clooney verschönert. Ich gerate zugegeben leicht ins schwärmen, spielt der Film doch hauptsächlich in Italien und George spielt, ja ja einen Killer ich weiß, seine Rolle als Amerikaner, der nur ein paar Worte Italienisch spricht (das aber dafür wirklich), so trocken und kalt, dass man ihm gleichzeitig anmerkt wie sehr er sich nach Liebe und Geborgenheit sehnt. Diese geheimnisvolle Art hat natürlich ihre Anziehung auf Frauen und so kommen im Film (einige) italienische Schönheiten vor. Die Kritik, dass der Film zu lang geworden ist kann ich nicht teilen, im Gegenteil: Ich fand die Spannung von Anfang bis Ende sehr stark, nicht zuletzt auch dank der mitreißenden Filmmusik. Wie könnte es anders sein wenn Herbert sich dafür verantwortlich zeichnet. Alles in allem ein sehr gelungener Film, mit vielen Nahaufnahmen von George Clooney, sehr guter Kameraführung, italienischen Worten und einer Brise Liebe und Verzweiflung. Anschauen!