Wiens Modewelt hat ab Donnerstag, den 19. April, eine neuen Ausgangspunkt für angehende Designer. Infrastktur und Können sollen dort – nämlich am Gumpendorfer Gürtel, Bogen 3-4 im 6. Bezirk – mit ausreichendem Platzangebot kombiniert werden, etwa um Branchenneulingen den Anfang leichter zu machen. Vor der Eröffnung haben wir die Initiatorin Michaela Hudecová Königshofer zum Gespräch gebeten.
Wie kam es zu der Idee eine Plattform – wie diese – für Jungdesigner zu schaffen?
Bereits nach der Ausbildung habe ich es Kollegen ermöglicht meine Maschinen in meiner Wohnung zu nutzen. Es waren zwar professionelle Maschinen, doch natürlich nicht alle, die ich mir persönlich gewünscht hätte. Man kann also durchaus sagen, es gab damals schon eine Art offene Werkstatt. Eine Erkenntnis, die gerade die konzeptuelle Entwicklung des Schnittbogens geprägt hat, war meine Erfahrung, dass sehr viele Designänderungen während der Prototypherstellung passieren und es daher sinnvoll ist, diesen Prozesschritt möglichst nahe dem Designer auszuführen. In der Zeit meiner Babypause habe ich mich ausführlich mit der lokalen Modeszene beschäftigt. Einerseits befragte ich einige Designerfreunde, andererseits bestätigte für mich eine Studie des Unit-F Büros, dass Designer wirklich das Know-How und Handwerk in Wien benötigen würden.
Welche Infrastuktur wird angehenden oder nach einer Werkstatt suchenden Designern bei Ihnen geboten? Gibt es etwa auch die Möglichkeit für Stoffdruck?
Wir bieten einerseits die Möglichkeit textile Flächen zu schaffen und diese zu verändern – vor allem in Form von Färben – andererseits aber auch zu verarbeiten und sie auch ordnungsgemäß zu präsentieren. Neben Coworking Spaces bieten wir ein breites Angebot an Industrienähmaschinen, Spezialmaschinen, Strickmaschinen, sowie Webstühle, Bügelanlagen, Zuschneidetische etc. Im Fall von Stoffdruck suchen wir zurzeit Kooperationspartner bei bestehenden Betrieben und Designern.
Wie grenzen Sie sich von sogenannten Nähcafés, wie es sie in Berlin oder Paris gibt, ab? In Wien gibt es ja auch den Trend zu Näh-Workshops in Kleingruppen, sehen Sie da Parallelen oder möchten Sie sich davon eher unterscheiden?
Das Konzept vom Schnittbogen ist in erster Reihe ein B2B Konzept und soll Designer ansprechen, die bei der Prototypherstellung mehr Einfluss auf den Prozess haben möchten. Nähbegeisterte können sich selbstverständlich auch tageweise einmieten, doch sehen wir den Schnittbogen zurzeit nicht unbegingt als B2C ausgerichtet. Wir möchten die modebegeisterten Wiener derzeit vor allem für unsere Events als Publikum begeistern. Die Abgrenzung von Nähcafés ist aus unserer Sicht im Umfang der Infrastruktur, die zur Verfügung steht. Wir bieten eine professionelle Werkstatt, die unter anderem für die Erstellung von Kleinkollektionen ausgerichtet wurde. Wo wir uns keinesfalls abgrenzen möchten, ist der Einfluss der Community. Wir wollen eine Austauschplattform schaffen.
Wird es im Schnittbogen Workshops oder begleitende Kurse für Anfänger geben, die gerade auch zum Do-it-yourself Trend passen?
Wir bieten den Raum und suchen Partner für Näh-, Strick-, Färbe- und sonstige DIY-Workshops und arbeiten, wie schon erwähnt, an einem B2C Konzept.
Bietet die Location außerdem noch Platz für weitere Schritte nach der Produktion, wie etwa Präsentationen oder als Coworking Space?
Unser Konzept besteht aus drei Bereichen – Coworking, Fertigung und Präsentation. Es werden Coworking Spaces zur fixen oder flexiblen Anmietung geboten. Die Möglichkeit der Fertigung ist eine, die einerseits die selbständige Nutzung der Maschinen beinhaltet, aber auch die Fertigung unsererseits. Als dritte Säule sehen wir die Präsentationsmöglichkeit, denn es steht ein ca 90 m2 großer Raum zur freien Nutzung – und natürlich wurde auch ein Catwalk vorhergesehen. Es gibt bereits Anfragen von Wiener Designern, die auf der Suche nach einem passenden Raum zum Arbeiten und gleichzeitig zum Präsentieren sind. Das sehen wir als den Vorteil vom Schnittbogen, da wir beides unter einem Dach bieten.
In der Ankündigung wird von der Expertise der Projektinitiatorin gesprochen, würden Sie dazu noch etwas mehr erzählen?
Ich bin Kleidermachermeisterin mit einer 15-jährigen Erfahrung in den Bereichen Schnitt- und Prototypenerstellung, Serienfertigung, zusätzlich habe ich auch Erfahrung im Unterrichten. Mein Team und ich stehen ab morgen in der offenen Werkstatt mit unserem Know-How und Erfahrung zur Verfügung.
Mit besonderem Dank an kathmography
Zeichnung: kathmography









