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foto/credit: Teresa | colazionearoma.com

Im Gespräch: Sabine Scholl über Giftige Kleider

Das Buch Giftige Kleider beschäftigt sich mit vielen Themen der Mode und dies auf einer kritischen, aber gleichzeitig humorvollen Ebene. Was waren beim Schreiben Ihre wichtigsten Inspirationen und was bedeutet für Sie Mode?
Wichtigste Inspirationen waren die Gespräche mit der Designerin Lisa D. Auch sie pflegt einen kritischen Umgang vor allem mit den Produktionsmethoden der Modeindustrie und arbeitet als Künstlerin mit Kleidern. Der Humor ist ein Ausdruck meiner Wahrnehmung. Einerseits bin ich modeinteressiert, fasziniert von Materialien, den Möglichkeiten immer wieder neue Formen und Variationen zu erfinden, es ist ein Spiel, eine Möglichkeit sich zu verwandeln, immer wieder eine andere/ein anderer zu sein. Andererseits bleibt es auch ein Spiel, ein lustvolles zwar, aber es gibt im Leben noch Wichtigeres, das hinter den Kleidern lauert. Und diese “ernsten” Themen versuche ich mit dem Medium der Mode ebenfalls anzutasten. In “Giftige Kleider” konkret, den Umgang mit giftigen Inhaltsstoffen in der Textilindustrie, sowie dem gefährlichen, rückwärtsgewandten Traditionalismus von Trachtenträgern.

Der Hauptcharakter im Buch, Gina Sonnenfels, pendelt zwischen Berlin und Wien. Liegen Ihnen diese beiden Städte ebenfalls besonders am Herzen und würden Sie beide als Modestadt bezeichnen?
Berlin und Wien sind die Städte, in denen ich lebe und arbeite. Das Pendeln ist hundertprozent autobiographisch. In Wien hatte ich während meines Studiums mit jungen Modemachern zu tun, war mit ihnen befreundet und hab für sie gemodelt. In Berlin fasziniert mich die Kreativität und Vielfalt der zahlreichen kleinen selbständigen DesignerInnen. Das ist schon einzigartig hier, wie mir auch eine Freundin, die in Paris in der Modebranche arbeitet, versicherte. Dort scheint alles den großen Couture-Marken verfallen, in Berlin gibt es noch Witz und Eigenständigkeit.

Lorenzo, in den sich Gina Sonnenfels verliebt, spielt eine Rolle, die wohl vielen Frauen bekannt vorkommt: sympathisch, charmant, mit einer unglaublichen Anziehungskraft, aber doch immer ein klein wenig suspekt.
Warum haben Sie diesen Charakter, diesen Typ Mann, gewählt?

Lorenzo ist mir einfach passiert. Ich mochte ihn tatsächlich sehr gerne, aber sein Typ sollte kein Statement in der Art, so und so sind die Männer heutzutage, sein. Es gibt ja noch andere Männertypen im Buch: Lord Jim, Vertreter der sexuellen Unverbindlichkeit, Peter, der ewige Student, und Andreas, der Journalist, der seiner Verflossenen ewig nachtrauert und derart geschädigt, sich vor einer weiteren Beziehung scheut.

Ich bedanke mich sehr für das Interview!

erhältlich ist das Buch hier

Axolotl Roadkill

Es passiert mir ja selten, dass ich einem Buch nicht bis zur letzten Seite eine Chance gebe. Bei diesem muss ich da allerdings eine Ausnahme machen. Dreißig Seiten habe ich es probiert, aber wir wurden keine Freunde. Pessimistisch, vulgär, negativ, kurze Sätze, banale Sätze. Abgesehen von all dem anderen was bereits über Axolotl Roadkill gesagt wurde, und worauf ich an dieser Stelle nicht eingehen möchte, abgesehen von all dem Medienhype rund um die junge Helene Hegemann, ist es für mich ein Buch, das auf vulgären Aussagen, die ich auch schon bei Charlotte Roche vermieden habe, basiert. Eine negative Stimmung die sich beim Lesen des Buches ausbreitet, ja sogar eine Abneigung zum Leben die sich bemerkbar macht…

Kritisches Hinterfragen gewisser Themen ist ja mehr als begrüßenswert, ob man sich das allerdings auf den restlichen Seiten erwarten darf bleibt zu bezweifeln.

Ich verstehe das Buch schlichtweg nicht.

Wer es verstehen bzw. sich selbst ein Bild machen möchte kann es hier kaufen.

Und… Der Standard hat sich nochmals intensiv mit dem Buch auseinandergesetzt.

Die Entdeckung des Sonnenaufgangs – Walter Veltroni

Unter dem Titel Die Entdeckung des Sonnenaufgangs erschien zu Beginn dieses Jahres die deutsche Ausgabe des bereits 2006 veröffentlichten ersten Roman von Walter Veltroni, La Scoperta dell’Alba.

Veltroni beschreibt zuerst den ganz normalen Alltag einer Familie mit zwei Kindern, der sich als alles andere als einfach herausstellt, da eines der beiden Kinder am Down-Syndrom leidet. Gefühlvoll beschreibt er die auftretenden Probleme, die mangelnde Akzeptanz in der Gesellschaft und dem psychischen Druck mit dem Kind und Familie zu kämpfen haben. Alles ändert sich aber, als die Hauptfigur und der Erzähler im Buch, das alte Haus seiner Familie betritt und wie durch Zauberhand mit dem alten Telefon, das eigentlich längst abgemeldet und außer Betrieb ist, eine einzige Nummer wählen kann… die Nummer die seine Familie hatte als er ein Kind war. Der Anschluss wurde aber nicht etwa weitergegeben, nein, es ist ihm möglich mit sich selbst als Kind Kontakt aufzunehmen und seine Vergangenheit, die Probleme seiner Familie damals, nochmals mitzuerleben. Was zuerst als eine reine Familiengeschichte und einem die Familie verlassenden Vater aussieht, entwickelt sich dann zur Geschichte eines politisch motivierten Mordes.

So kommt man von einer Ebene zur nächsten, liest sich durch surreale Welten, die realer scheinen als sie sein können und kann eine Spannung genießen, die sich im Laufe des Buches immer mehr aufbaut.

erhältlich bei amazon

Die Farbe der Sonne

Andrea Camilleri ist bekannt für spannende und packende Romane. Der 1925 in Sizilien geborene Autor lebt in Rom und veröffentliche jüngst einen Caravaggio Roman mit dem Titel Die Farbe der Sonne. Was sich dahinter verbirgt ist einfach zu erklären: Im Jahr 2005 wurde er von der Kuratorin des Düsseldorfer Museum Kunst Palast gebeten, etwas für den Katalog zur damals stattfindenden Caravaggio Ausstellung im Katalog zu schreiben. Da dieser Text zu lang wurde entschloss er sich dazu, den Rest auch als Buch zu veröffentlichen. Die Erzählung der eilig aus dem Tagebuch von Caravaggio abgeschriebenen Textstücke mag anfangs langatmig und schwer zu verstehen sein, wird aber im Laufe des Buches zum spannenden Krimi. Auch die Story wie Camilleri im Buch zu diesen Texten kam ist spannend, scheint es doch sowohl etwas von der Neugierde eines Schriftstellers und einer Entführung gleichzeitig zu haben. Wie das alles genau zusammenpasst liest man aber am Besten selbst nach. Dass es für mich als Studentin die Geschichte im Nebenfach hat, auf alle Fälle sehr ansprechend ist alte Texte wie das Tagebuch Caravaggios scheinbar neu entdecken zu können, soviel sei schon mal gesagt.

Eine umfassende Caravaggio Ausstellung kann man derzeit in Rom besichtigen.

Wolf Haas – Der Brenner und der liebe Gott

Wie seit einiger Zeit versprochen habe ich nun meine Meinung zum neuen Brenner Roman zusammengefasst.

Alle Dings und Jetzt ist schon wieder was passiert Fans mögen enttäuscht sein, denn nach beidem sucht man im neuen Wolf Haas Buch Der Brenner und der liebe Gott vergeblich. Braucht man aber auch nicht, denn der typische Stil der Brenner Romane ist erhalten geblieben und hat mit das das das oder mit mit mit ein neues Element der Nicht-Formulierung bekommen. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass der neue Erzähler sich einfach ein bisschen anders ausdrückt als der Alte, welcher ja im letzten Roman erschossen wurde. Brenner hat noch immer den Charakter an den man sich so gewöhnen durfte, auch wenn er jetzt eigentlich nicht mehr so ganz als Detektiv arbeitet… wobei eigentlich ja doch, nachdem man seine detektivischen Kenntnisse dringend benötigt. Wer kann sich schon auf die Polizei verlassen?
Anspielungen auf diverse Kellerverbrechen, sowie die Machenschaften beim Bau des neuen Wiener Praters inklusive.
Bekanntlich ist es ja meistens mehr eine Enttäuschung wenn man nach langer Zeit und dem versprochenen Ende einer Serie, sei es bei Büchern, einer Fernsehserie oder anderem noch einen Teil zu lesen, zu hören oder zu sehen bekommt… Ganz anders hier, so sehr im Brenner Element zurück zu sein war ein Genuss bei jeder Seite. Eine kleine Hoffnung bleibt auf einen weiteren, denn diesmal hat ja niemand gesagt, dass dies wirklich der Letzte war, oder?

zu kaufen hier bei amazon

Karl Lagerfeld und ich. 15 Jahre an der Seite des Modezaren || Arnaud Maillard

In Karl Lagerfeld und ich. 15 Jahre an der Seite des Modezaren (Originaltitel Merci Karl!) von Arnaud Maillard, der 15 Jahre für Karl Lagerfeld als Assistent gearbeitet hat, kurz vor seinem Wechsel zu Céline von Karl Lagerfeld gekündigt wurde und seither auf Jobsuche ist, wird die wohl oft nicht so angenehme Zusammenarbeit mit Mr. Lagerfeld beschrieben… Der Spiegel führte aus diesem Anlass ein ausführliches Interview mit ihm, in dem er unter anderem meint:

Er ist ein unglaublicher Narziss, er braucht eine Ewigkeit, um sich morgens zurechtzumachen, er nimmt bei jeder Fotosession Selbstporträts von sich auf und stellt diese überall hin. Er umgibt sich mit einem Hofstaat, niemand widerspricht ihm. Wo er geht und steht, wird Pepsi-Cola im Kristallglas von Baccarat für ihn bereitgehalten und alle 30 Minuten ausgewechselt. Es ist wie im 18. Jahrhundert.

Artikel zum Thema auch bei lesmads.de, modepilot.de und gala.de

Source: spiegel.de
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