„Warum bloggst du?” ist eine der am Häufigsten gestellten Fragen in Interviews mit Bloggern. Ein guter Anlass um immer wieder über das Warum nachzudenken.
Nun, ich behaupte, dass ich mit dem Bloggen angefangen habe um ein Medium (und damit meine ich nichts Spirituelles) zu haben, auf dem ich mich frei ausdrücken kann und auf dem ich auch meine Fotos einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen kann. Schließlich wollte ich diese damals wie heute mit anderen teilen. Dass sich ein Schwerpunkt auf Italien und die Mode entwickelt hat ist mehr oder weniger Zufall und spiegelt im Grunde nur meine persönlichen Interessen wider, die nun mal besonders auf diesen beiden Themen liegen.
Freilich ist auch ein Grund einen eigenen Blog zu führen, dass man hier ohne eine Redaktion hinter sich stehen zu haben die Themen frei wählen kann. Niemand sagt einem wie man etwas schreiben oder posten soll bzw. muss. Egal welche Themen man wählt, egal wie man darüber schreibt oder welche Fotos man online stellt: Feedback bekommt man erst nach Veröffentlichung von den Lesern. Eine wie ich finde, wunderbare Form der direkten Kommunikation mit all denen die man erreichen möchte. Im besten Falle denkt man aber auch als Blogger, wie bei einem anderen Medium (sei es bei einer Print-, bzw. Online Zeitung oder einem Magazin), darüber nach welchen Content man auf seinem Blog haben möchte. Was will ich posten, was kann ich vertreten, womit denke ich, dass ich meine Leser ansprechen kann? Ich überlege mir was wichtig ist, ob ich Wert auf Qualität oder Quantität lege, ob ich mehr Texte oder mehr Fotos zeigen will. Ich denke darüber nach ob ich Werbung für Marken machen möchte oder auch was ich dafür von den jeweiligen Firmen bekommen möchte, ob ich dies meinen Lesern dann auch klar mitteile oder ich mich für einen werbefreien Blog entscheide. Ebenso wie ich mir auch Gedanken über Design und Layout mache.
Aber: Das tolle an Blogs ist, dass ich (und das habe ich hier sicherlich schon öfters erwähnt) gefallen sie mir nicht, sie einfach nicht lesen muss. Ich kann mich natürlich dazu äußern, dass mir ein Blog nicht gefällt (tue dies aber am Besten nicht in der Kommentar Sektion eines Blogs mit diskriminierenden oder den Autor schlecht machenden Kommentaren). Ähnlich wie ich auch die Bild Zeitung nicht lesen muss wenn ich das nicht möchte oder wie ich gewisse Magazine nur beim Arzt oder Frisör lese (dank iPad wäre das eigentlich auch mit manchen Blogs möglich).
Jetzt aber zu dem was mir bei Blogs besonders am Herzen liegt:
So sehr wie sich das Thema um die Milchmädchen-Blogger gehalten hat, so sehr spicht man immer noch über Fotos aus der Umkleide oder über Blogs die sich nur damit beschäftigen was die letzte Shopping Ausbeute, und wie teuer und unleistbar diese war, beschäftigen. Auch immer wieder vertreten ist die Frage ob man als Blogger bei PR Events dabei sein soll oder vielmehr ob man dann (ohne Bezahlung) darüber berichten soll (aktueller Artikel bei Blica). Nicht als Blogger, sondern bei einem bezahlten Job in einem Online Medium wurde ich einmal mit der Frage konfrontiert warum ich in Artikeln immer wieder Marken erwähne, obwohl diese gar nicht für Werbung bezahlt haben.
Nun ist es überhaupt möglich über Mode zu schreiben ohne ein Label oder einen Markennamen zu erwähnen? Wäre es in Ordnung als Blogger über die Marken zu schreiben mit denen man selbst gerne zusammenarbeitet? Ist es erlaubt selbst auszuwählen ob man etwas erwähnen möchte oder nicht? Oder wäre es sogar erlaubt zu sagen, dass man über manche Veranstaltung nur schreibt, wenn man nicht bezahlt wird (um seine eigene Meinung darüber äußern zu können)?
Als Journalist ist man verpflichtet sich an eine gewisse Berufsethik (in Bezug auf klare Kommunikation bezahlten Inhalts – geschieht dies bei allen Modeartikeln in Magazinen?) zu halten, doch auch hier kann man sich wieder die Frage stellen „sind Blogger Journalisten?” gerne auch verbunden mit der Frage sind alle Journalisten die sich als solche bezeichnen tatsächlich auch Journalisten?
Ich gebe hiermit ohne dem geringsten Problem zu, gerne in Showrooms zu sein, gerne in anderen Städten PR Agenturen mit Showrooms zu besuchen um einen Eindruck von aktuellen Kollektionen zu bekommen die man hier in Wien vielleicht nicht findet. Ich lasse mir gerne Kollektionen erklären ohne dabei Pressetexte die mir per Mail zugesandt werden zu lesen. Ich greife gerne Stoffe an, ich kommuniziere gerne. Positiv sehe ich auch selbst beim Lesen anderer Blogs vorab präsentierte Kollektionen oder Hinweise auf neue Shops, gerne dann versehen mit Fotos bzw. Texten des Autors die seine ganz persönliche Sicht darstellen. Außerdem fotografiere ich auch selbst gerne und mache dies auch hier in Wien bei PR Veranstaltungen, Shop Eröffnungen oder Modeschauen. Wer behauptet, dass dies geschieht weil man selbst keine anderen Ideen hat, nun der kennt nicht die Schwierigkeit neue Fotomotive zu finden und sich von neuen Locations, neuen Anlässen herausfordern zu lassen (hallo Neonlampe, hallo schlechtes Licht, hallo schiebende Menschenmassen).
Übrigens: Ein ungemein wichtiger Punkt wird für mich immer der Umgang von PR Agenturen mit Bloggern sein. Wer vorschreibt was man schreiben soll, wer einen bestimmten Inhalt fordert oder gar vorschreibt was man wann schreibt sollte niemals (und dabei ist es egal wie viele Leser ein Blog hat) unterstützt werden.
Ganz abgesehen davon denke ich ja, und da schließe ich mich vollkommen mit ein, dass man sich (und damit wird auch dieser Text völlig überflüssig) mit der Energie mit der man sich mit Umkleide und Co. beschäftigt sich mit all den Bloggern beschäftigen sollte, die für ihre Arbeit verhaftet werden oder für immer von der Bildfläche verschwinden, weil sie über Politik, Menschenrechte oder Aufstände schreiben und damit ihr Leben riskieren.
Keinesfalls soll das heißen, dass Modeblogs keine Berechtigung haben. Im Gegenteil. Mode ist ein Teil von Kultur, Mode ist Ausdrucksform, Mode ist eng verbunden mit der Geschichte der Menschheit. Mode ist wichtig. Denken aber auch.