Dort ganz in die nordöstliche Ecke von Italien gedrängt liegt eine Region namens Friaul. Nein, sie hat nichts mit Venedig und eben so wenig mit dem typischen Italien wie man es südlich von Rom kennt, zu tun. Wer aber nach italienischer Lebensfreude und der Schönheit der Landschaft sucht wird hier nicht falsch sein. Mit Hausmeisterstränden haben die kilometerlangen Sandbuchten ebenso wenig zu tun wie Mallorca mit einer einzigen Touristeninsel. Es gibt bekanntlich für alles sowas wie eine Nebensaison, sowas wie den ganz besonderen Charme eines Landesteils. Dass es diesen in dieser nördlichen Provinz von Italien gibt, wusste auch schon Rilke. Schließlich gibt es hier auch irgendwo zwischen Bergstraßen, Ebenen und dem Meer einen Humor der oft ebenso trocken ist wie die Karstlandschaften in dieser Gegend. Wein, Käse und grandiosen Prosciutto (den aus San Daniele versteht sich, nicht den aus Parma) und den Grappa. Ja, vor allem den Grappa. Was es sonst noch über das Friaul zu sagen gibt sind unendliche Geschichten, eine, vielleicht erfunden, vielleicht wahr, soll im folgenden erzählt werden. Eine Geschichte darüber, dass nicht alles immer funktionieren muss, aber trotzdem möglich ist. Vielleicht ein Charakterzug von ganz Italien, einer den ich ganz besonders mag.
Die erste größere Stadt auf dem Weg von Wien ans Meer die mich mit italienischem Flair in ihren Bann zieht, ist Udine. Im Nordosten von Italien in der Region Friaul-Julisch Venetien gelegen, bietet sie eine wunderbare Mischung verschiedener Kulturen. Die Nähe zu Österreich und Slowenien ist ebenso zu spüren, wie der bunte Sprachenmix. Ideal für meine Begeisterung für Italien und Sprachen gleichzeitig. Neben Italienisch und der eigenen Sprache im Friaul, dem Friulanischen, sind teilweise auch Slowenisch und Deutsch Amtssprache in der Region. Eigentlich eine Schande wenn man dann, wie ich, immer wieder Englisch spricht, bestätigt auch Silvia, meine aus dem Nordosten Italiens stammende Sprachtandem Partnerin, bei mir zu Hause in Wien. “Sprich Italienisch wenn du es sowieso kannst!” hörte ich deshalb schon unzählige Male von ihr. Mehr durch Zufall lernte ich vor einigen Jahren bei einer Veranstaltung in Wien einen Mann aus eben dieser Region kennen. Ich dachte damals an nichts Ernstes, doch der Kontakt zu Marcello riss seither nicht ab. Wir hatten keine Beziehung, doch sahen uns regelmäßig an den unterschiedlichsten Orten. Auch meine Aufenthalte in Udine häuften sich und ich habe angefangen diese Stadt als eine meiner italienischen Lieblingsstädte zu bezeichnen. So verschlägt es mich auch immer wieder in die Nähe von Udine, der heimlichen Hauptstadt der Region (Triest ist ja die eigentliche), ans Meer. Zwischen Venedig und Triest befinden sich zahlreiche Badeorte, welche sehr stark touristisch erschlossen sind. Ähnlich wie auf Mallorca gibt es aber auch hier ein Leben abseits der Bettenburgen und so findet man noch ältere Ortsteile. Die kleinen Städtchen Caorle und Grado sind da gute Beispiele. Ein angenehmer Faktor ist in diesen Badeorten, dass neben Touristen aus Deutschland und Österreich auch viele Italiener selbst in zahlreichen Appartements ihren Sommer am Meer verbringen. Besonders viele sind im August anzutreffen, wenn rund um den Feiertag Ferragosto am 15. August ganz Italien auf Urlaub ist. So befinde ich mich gerade ebenfalls am Meer, mitten zwischen unzähligen Italienern und anderen Touristen. read on

























































